Dienstag, 12. Januar 2016

12 von 12 im Januar

So ein Dienstagmorgen im Januar in St. Petersburg ist lange, lange dunkel. Erst gegen zehn Uhr wird es hell. Bis dahin haben alle gefrühstückt, und der Mann und die Kinder sind längst aus dem Haus gegangen. Am Schlafzimmerfenster blühen die schönsten Eisblumen.

Mein Frühstück bestand aus fünf Scheiben Brot mit Nutella, einem Apfel und einem Kaffee. Bei diesen Temperaturen braucht man viele Kalorien. Ich zumindest habe gerade großen Appetit. Heute sind es -9°, also nicht sonderlich kalt, verglichen mit den -23° von letzter Woche...

Nach dem Frühstück fahre ich zum Schlossplatz. Ich möchte eine Eremitage-Friends-Karte besorgen, mit der eine Familie ein Jahr lang, so oft sie will, die Eremitage besuchen kann. Es schneit die ganze Zeit. Ich trage meine neuen Boots: außen Gummi, innen Kunstfellfutter.

Links seht Ihr die Alexandersäule, rechts den Winterpalast, das Hauptgebäude der Eremitage. Ich bin zu früh dran, die Kassen öffnen erst um 10:30 Uhr. Über den Schlossplatz pfeift der Wind. Ich ziehe die Kapuze über meine Mütze und kneife die Augen zusammen.

Dann muss ich noch eine ganze Weile warten, bis ich die Karte kaufen kann. Gerne wäre ich damit direkt ins Museum gegangen, aber die Zeit reicht nicht mehr. Wenn ich zu Fuß nach Hause laufen und vor dem Russischunterricht Mittag essen will, muss ich jetzt los.

Ich laufe an der Moika vorbei bis zum Gribojedow-Kanal und der Church of Our Savior on the Spilled Blood. Selbst bei diesem Wetter stehen davor die Touristen, um Fotos zu knipsen. Ich bin ja, so seltsam es ist, keine Touristin in dieser Stadt, tue es ihnen aber nach.

Dann laufe ich weiter, eine meiner Lieblingsstrecken entlang: am Michailowski-Park und am Sommergarten vorbei, wo heute kaum jemand spazieren geht, über die Brücke, die über die zugefrorene, schneebedeckte Fontanka führt. Die Stadt ist stiller als sonst. Die Autos fahren nur langsam.

In einem Schaufenster sehe ich diesen prächtigen Muff. Der wäre doch was für mich... ;-)

Zu Hause koche ich mir ein schnelles, leckeres Mittagessen. Spaghetti mit Tomatensoße, mit ein paar Spritzern Tabasco arrabiatisiert. Ich habe gerade noch Zeit, einen Kaffee zu trinken. Dann muss ich wieder los, zum ersten Russischunterricht nach den Weihnachtsferien.

Heute sind wir zu dritt. Wir unterhalten uns über Weihnachten und Silvester. Es fällt mir schwer, wieder russisch zu sprechen. я былa в отпуске. На Новый год мы ходили в гости. Поздравляю с Новым годом! Желаю счастья и здоровья...

Dann wird es auch schon wieder dunkel. Ich hole die Kinder ab und wir puzzeln, bis es Zeit ist, sich ums Essen zu kümmern. Später am Abend werden mein Mann und ich den James Bond-Film zu Ende sehen, den wir gestern angefangen haben: "On Her Majesty's Secret Service" mit einem gewissen George Lazenby. Kennt Ihr den? Nun ja...

Mehr 12 von 12 gibt es wieder bei Caro.

12 von 12 im Januar 2015
12 von 12 im Januar 2014 

Kommentare:

  1. Deine 12 von 12 sind echt interessant...liegt natürlich nicht an pittoresker, verschneiter, RUSSISCHER Umgebung.
    Bleibt ihr dort???
    Annette

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    1. Ja, wenn alles wie geplant läuft, für vier Jahre...

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  2. Wunderschöne Eindrücke, so einen feinen Muff wirst Du dir wohl bald machen.
    Vielen Dank für den Spaziergang, brrrr, -13 hatten wir schon aber nicht -23, brrrr
    Angelika

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    1. Ich habe drüber nachgedacht, ob ich mir einen nähe :-)

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  3. Wünschte, ich wäre dort...Ein Traum...
    GLG
    Astrid

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    1. Bei diesem Wetter ja! Wenn es grau ist und regnet, nicht so sehr (aber andererseits: welche Stadt ist es...)

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  4. Oh ja, das kann man Winter nennen. Man hat das Gefühl, man würde in eine ganz andere Welt eintauchen...
    Liebe Grüße
    Andrea

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  5. Richtig verzauberte Fotos, man kann die Stille und die Kälte spüren.... aber ich beneide Dich gerade überhaupt nicht! Kälte kann ich sowas von überhaupt nicht leiden....
    Aber der Frühling wird sicher kommen :-)
    Liebe Grüße, Steffi

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    1. Gut eingepackt kann man die Kälte gut aushalten! Aber stimmt, auf den Frühling freue ich mich auch schon. Und darauf, dass die Tage dann so schnell so lang werden.

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  6. Tatsächlich sieht es traumhaft aus, was du auf deinem Weg fotografiert hast... In deiner Russischstunde heute hätte ich noch ganz gut mithalten können ;-). Dann nutze mal die Eremitage-Karte fleißig aus! Lieben Gruß Ghislana

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  7. Wow, Deine 12 von 12 sehen wirklich ganz großartig aus! Immer wieder spannend, ich schaue immer wieder gerne vorbei!
    Liebe Grüße!

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  8. Sankt Petersburg ??? Das habe ich ja gar nicht mitbekommen...da muss ich dein Blog doch noch einmal durchstöbern :-)
    Herzliche Grüsse aus Österreich, helga

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  9. Sehr schön deine 12. So geht also Winter! Ich finde es immer toll, wenn der Winter die Großstädte so leise und ruhig macht. Bei diesen Temperaturen muß man sich schon einmummeln.Da bin ich ja schon mal auf en ersten Muff gespannt! So gar nicht weiße Grüße, Karen

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  10. halleluja, ich lese russisch wie ein erstklässler nach fünf wochen leseunterricht. dringender übungsbedarf angesagt, also bitte mehr davon :)
    unwirtlich siehts aus, aber so aus der distanz hat es etwas verlockendes. du, und die stiefel? halten die schön warm? und in sachen rutschigkeit? fragt eine ulma, die verzweifelt auf der suche nach schneewaldwegerltauglichen warmen schuhen ist.

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    1. Nicht so unwirtlich - drinnen ist es ja gemütlich. Die Stiefel halten sehr schön warm, haben aber kein sonderlich tiefes Profil. Für meine Zwecke reichts. Ob sie schneewaldwegerltauglich wären, weiß ich nicht...

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  11. Uli, am besten gefällt mir heute der Winterpalais. Ich spüre förmlich den eisigen Wind und sehe Dich mit Pelz (natürlich Kunstpelz) und Muff über den Platz flanieren ;)
    Die Dunkelheit, die würde mir zu schaffen machen aber ansonsten sehr beneidenswert!!!
    LG, von Annette

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    1. (Kunst-)Pelz trage ich nicht, aber nach dem dritten Kommentar zum Muff glaube ich allmählich, dass ich mir wirklich einen nähen werde. Ich habe das Bild eigentlich nur aus Quatsch gepostet. Aber kuschelig warm wäre es schon, Handschuhe trage ich nicht gerne, und vielleicht hätte auch die kleine Kamera darin noch Platz...

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  12. Ach, so schöne Winterbilder!
    Liebe Grüße

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  13. Wie schön es bei Dir ist- weiß und friedlich und winterlich (nur die Tomatensoße fällt etwas aus dem Rahmen ;-) ) und in der Tat aus einer ganz anderen Ecke der Welt.
    Ich komm jetzt öfter vorbei!
    LG, Yvette

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  14. immer wieder spannend!!!
    russland ist mir so fremd. die sprache sowieso. deswegen mag ich deine berichte sehr. es bringt einem unbekanntes näher.
    ich glaube nur, die lange dunkelheit würde mir auf die dauer doch sehr zu schaffen machen...
    herzliche grüße
    die frau s.

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    1. Deswegen trödele ich morgens immer rum ;-)

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  15. Liebe Mond,
    ich freue mich wieder hier zu sein und mich in Deinen Bildern zu verlieren - dummerweise habe ich meine Blogpflege im letzten Jahr sehr vernachlässigt. Dies soll besser werden :)
    St. Petersburg sieht sehr schön (und sehr kalt) aus - doch mit Russland an sich hätte ich so meine Probleme... ich freue mich darauf mehr bei Dir zu sehen.

    Liebe Grüße!
    myriam.

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  16. Unfassbar wunderschöne Eisblumen, unfassbar wunderschöner ferner Schnee, unfassbar schönes Wort: arrabiatisiert. Ja, Du bist unglaublicherweise dort keine Touristin - das muss ein so seltsames gefühl sein. Ich habe beim Lesen oft das Gefühl, Du würdest leicht verwundert durch Deine Tage schweben (und sicher schleppste Dich manchmal auch durch, aber das merkt man dem, was Du leichtfüßig schreibst, nicht an).

    Liebe Grüße in das Land des wahren Winters
    Maike

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    1. Leicht verwundert, ja, das stimmt. Und auch, dass ich mich manchmal eher schleppe. Ungewohnt, so viel Zeit, die will gefüllt werden.

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  17. Das sind ganz wundervolle Bilder aus dem kalten St.Petersburg. Weihnachten habe ich eine Doku gesehen über das Feiern in einer WG und dem Winterpalast, sehr fremd all das und sehr spannend und neugierig machend.
    Hier in Köln soll angeblich auch noch der Winter kommen. Und sind alle Kater inzwischen eingetroffen?
    Ich schicke herzliche Grüße
    Christine

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    1. Die Hälfte ist da! Herzliche Grüße zurück!

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  18. Toll, so einen russischen Einblick zu bekommen.
    Und die Kälte ist den Bildern gut anzusehen.
    Schöne Grüße
    Jutta

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  19. Heute erst komme ich dazu deinen wunderschönen Winter zu bewundern. Seltsam keine Touristin zu sein und doch die Zeit zu haben, die Stadt so zu betrachten. Auch in gewohnter Umgebung schleppe ich mich manchmal durch die Tage, ist so.... was ich eigenlich sagen wollte, die Eisblumen, so wunderschön, sowas gibt es in Deutschland bei all den überisolierten Häusern gar nicht mehr... heute beim Schnee und Eismustermittwoch kam das Thema schon auf.
    Mach es dir gemütlich und näh dir die ganze Liste rauf und runter, tolle Pläne
    Liebe Grüße von Michaela

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    1. "Näh dir die ganze Liste rauf und runter", schön gesagt ;-)

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  20. Der Winter (in weiß und kalt, schneestill und mit Zauberlicht nächtens) ist meine Lieblingsjahreszeit. Und das dann noch an diesem Ort.... Danke für die so schönen Bilder!
    Liebe Grüße, Nina aus KE

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  21. eisblumen! ich glaube, die hab ich das letzte mal in unserer kohlenbeheizten studentenbude gesehen! oder vielleicht noch an schon lange leerstehenden geschäften.
    deine bilder sind irgendwie unwirklich, vielleicht weil so wenig menschen zu sehen sind und das licht so ganz anders ist. das foto des winterpalalastes ist wunderschön!
    ich wünsche dir viel zeit in der eremitage und bin schon gespannt auf den muff ;-)!
    liebe grüße in die ferne von mano

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    1. Ja, ich glaube, bald wird es ihn geben, den Muff :-)

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  22. Deine Bilder sauge ich ein...
    Schön das Du dort wohnst und Du immer mal was von der Stadt zeigst.
    Fällt es Dir leicht russisch zu lernen? Ich hab das ja früher mal in der Schule gelernt, da ich aber kein Sprachenfuchs bin ist mir das immer sehr schwer gefallen....Ich wünsch Dir das Du gut in die Sprache findest und sie lieben lernst!
    LG Susan

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    1. Leicht fällt es mir nicht... ich kämpfe mit den sechs Fällen... unter anderem :-(

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  23. Ich hatte vorletztes Jahr ein Projekt in St. Petersburg und war im Sommer dort, während der heißesten Zeit. Nur 3,5 Tage, von denen ich die meiste Zeit in gruseligen Büro- und Besprechungsräumen verbracht habe. Aber am Abreisetag habe ich eine 2,5-Stunden Kurzwanderung zur Eremitage und zurück zum Hotel gemacht, ungefähr auf dem Weg, den du da auch beschreibst. Ich war auch kurz im Sommerpark. Ist eine wunderschöne Stadt, ich hoffe, du fühlst dich wohl. Wünsche dir alles Gute für 2016.
    Lieben Gruß Maggie

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  24. Wahnsinnig schöne Bilder, Mond! Ich habe sie schon Dienstagabend gesehen und seitdem gehen sie mir nicht mehr aus dem Kopf. Russland ist ein mir völlig fremdes Land und ich habe erstaunlicherweise auch keine Vorstellungen, wie ich sie von manch anderen Ländern habe. Die Fotos sehen nach einer prächtigen, leisen Großstadt aus. Fast unvorstellbar, dass Du jetzt dort bist. Ich schicke Dir ein wenig Sonne vom heute blauen Himmel in Bayern.
    LG, Annette

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  25. Ach, was sind das schöne Fotos. Ich war bis 1999 oft und lange in Russland, einmal auch ein ganzes Jahr, darunter auch immer wieder und für mehrere Wochen in St. Petersburg. In den 90er Jahren war es sehr schwierig dort. Mir ist die Schönheit der Stadt so in Erinnerung, trotz aller Probleme oder auch gerade wegen aller Probleme, die Weite, das viele Wasser überall, die wunderschönen Fassaden, die vielen Ecken und Winkel, die Treppenhäuser, die Glasfenster, die Türgriffe, die Hinterhöfe. Ich schau so gern bei Dir vorbei und schau mir die Fotos an!

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  26. So schöne Eindrücke aus St. Petersburg! Das würde ich mir auch gerne mal ansehen. Wenns ein bisschen wärmer ist ... -23 Grad und so viel Dunkelheit, da haben wir es in Berlin ja vergleichsweise gut. Aber die Stadt ist wunderschön!

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  27. Liebe Mond! Deine Bilder sind sooooo schön...ich muss da unbedingt nochmal hin. Und hey, ich konnte sogar die kompletten kyrillischen Sätze lesen ;) Herrlich. Hab ein famoses 2016 - ich freue mich weiter bei dir zu lesen! Alles liebe aus dem F-Hain (In der Rigaer Strasse geht es grad gut ab....)

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