Dienstag, 27. September 2022

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Der Quilt [........] ist fertig. Über einen passenden Namen habe ich lange nachgedacht, aber ich kam immer wieder auf 8 simple Punkte zurück. Hier hatte ich es neulich erwähnt - der Ausgangspunkt für dieses Projekt war ein Artikel aus dem Magazin Der Spiegel. 

Darin wurde die Geschichte einer jungen Russin erzählt,
die sich aus Protest gegen den Ukraine-Krieg acht kleine Punkte auf den Arm tätowieren lassen hat. Sie stehen für „нет войне“, „Nein zum Krieg“. Eine Aussage, die in Russland absolut verboten ist und für die man ins Gefängnis kommen kann.
 
Den Hintergrund
aus engen parallelen Linien habe ich mit der Maschine gequiltet. Die Samtpunkte wurden mit Hilfe von Papierschablonen hergestellt, die im Inneren verblieben. Ich habe sie von Hand mit Blindstich appliziert und dann mit silbernem Metallgarn handgequiltet. 
 
Je nach Lichteinfall wirken die Punkte matt oder schimmern leise oder leuchten strahelnd hell.
Die 8 Punkte, die die Worte darstellen, die nicht ausgesprochen werden dürfen, wurden mit einem einzigen Metallfaden von Hand auf den dunklen Hintergrund gestickt. Zerbrechlich, fast unsichtbar.
 

Vielen Dank, dass du mir geholfen hast, ihn zu fotografieren, liebe V.

Montag, 26. September 2022

Ein Spaziergang durch Brooklyn

Kristina vom Blog Am liebsten bunt lädt monatlich dazu ein, einen Spaziergang zu dokumentieren, den man in diesem Monat unternommen hat, und ich bin heute zum ersten Mal dabei. Letzte Woche war ich in Bushwick im New Yorker Stadtteil Brooklyn unterwegs.
 
Bushwick wird als Working Class Neighbourhood, als Arbeiterviertel, eingestuft. Als es im späten 17. Jahrhundert gegründet wurde, pflanzte man dort Lebensmittel und Tabak an. Später wurde es ein Standort für Fabriken, die Zucker, Öl und Chemikalien herstellten.

Neben einer Vielzahl von Lagerhallen und Garagen, die teils von normalem Gewerbe genutzt werden, teils zu hippen Cafés oder Läden umgebaut worden sind, findet man in Bushwick auch schön renovierte Brownstones oder Limestone Brick Townhouses.

Berühmt ist das Bushwick Collective, das 2011 gegründete Künstlerkollektiv. Gründer Joe Ficalora wollte seine Nachbarschaft wiederbeleben und in eine Open Air Galerie verwandeln. An etlichen Hauswänden findet man Murals und andere Street Art. Viel Spaß beim Angucken!

Dieses Mural ist von einem meiner Lieblingskünstler, LeCrue Eyebrows.










Freitag, 23. September 2022

Ein Mitbringsel

 

Zwischendurch arbeite ich gern an kleinen Sachen, die - im Vergleich zu einem großen Quilt - schnell fertig werden. Improv-Patchwork macht mir einfach Spaß. In dieser Technik ist dieser Miniquilt entstanden, ein Mitbringsel für einen Freund, bei dem ich neulich zum Kaffee eingeladen war. Den kann er als Mug Rug verwenden oder an die Wand hängen oder, wenn er die Rückseite mit Karton beklebt, als Postkarte verschicken.



Montag, 19. September 2022

Schönheit und Tücke

Das Bild "Friendship" von Agnes Martin geht mir nicht aus dem Kopf. Für die Stoffspielereien zum Thema "Glitzer tröstet" habe ich es als Miniatur aus silbernem Samt nachgebildet. Eigentlich dachte ich, dass ich es auch einmal in Originalgröße nähen würde. Aber dann schob sich eine andere Idee dazwischen - ich wollte mit Samtkreisen experimentieren, auf einen dunklen Untergrund appliziert, vor dem sie sich gut abheben. 
 
Beim Überlegen, Entwerfen, Skizzieren fiel mir ein Artikel aus dem Spiegel wieder ein. Darin wurde die Geschichte einer jungen Russin aus Moskau beschrieben, die sich als Protest gegen den Krieg in der Ukraine acht kleine Punkte auf ihr Handgelenk tättowieren ließ. Sie stehen für "нет войне", Nein zum Krieg". Eine Aussage, die in Russland absolut verboten ist. Für die man ins Gefängnis kommen könnte.

Der Untergrund besteht aus einem Yard Kona Cotton Pepper, den ich mit dichten parallelen Linien gequiltet habe. Die Kreisschablonen sind aus Papier. Die Samtkreise habe ich etwas größer zugeschnitten und auf die Schablonen geklebt. Die Ränder der Kreise wurden mit Hilfe von Einhaltefäden zusammengezogen. So wurden sie dann von Hand appliziert - das Papier blieb drin. 

Schön ist er, der Samt. Je nachdem, wie das Licht darauf fällt, schimmert er leise oder glänzt und strahlt er. Aber wieder einmal habe ich vergessen, wie wenig ich mit diesem tückischen Material arbeiten mag. Die Fussel und der Glitzerstaub überall! Das Zuschneiden war schlimm. Da die offenen Kanten jetzt versteckt sind, ist es überstanden. Die Kreise quilte ich von Hand. Mehr dazu demnächst.




Donnerstag, 15. September 2022

Ein bisschen Frieden [Teil 2]


Hier
hatte ich die Stickerei im Entstehen gezeigt, jetzt ist der Pullover für meine Tochter fertig. Der Schnitt ist, wie bei diesen Exemplaren, Cream Buff aus der Ottobre 5/2021 in Größe 36. Wenn ich mag, kann ich ihn also auch tragen.


Wie French Knots exakt werden, ist mir erst während des Arbeitens wieder eingefallen. Ich mag die Technik. Irgendwann möchte ich mal eine noch viel größere Fläche damit besticken.

Montag, 12. September 2022

12 von 12 im September

Es ist Montag, der 12. September, und hier auf dem Blog gibt es wieder 12 Bilder des Tages. Die Schule hat letzte Woche angefangen. Morgens gehen der Mann und die Kinder aus dem Haus, und ich habe Zeit für einen Kaffee und mein neuestes Projekt. 


Um zehn holt mich eine Freundin ab. Wir haben uns vorgenommen, heute New Rochelle zu erkunden. Das ist eine nicht weit entfernte Stadt, ungefähr auf halbem Weg nach New York City.

In New Rochelle gibt es irgendwie alles - Hochhäuser und Einkaufsstraßen und alte Kirchen und hässliche Parkhäuser und viele ruhige grüne Straßen mit Einfamilienhäusern. Wir lassen uns treiben.

Über Murals freue ich mich immer sehr. “Protecting Our Oceans” von Louis Masai.

Die Church of the Blessed Sacrament ist von außen beeindruckend, von innen nicht ganz so. Direkt daneben befindet sich die Grotto of Lourdes. Na sowas. Daran gehen wir aber vorbei.

Wir kaufen uns beide einen grünen Smoothie und spazieren damit weiter. Im Plastikbecher mit Plastikdeckel und Plastikstrohhalm, schlimm. Zu meiner Entschuldigung kann ich nur sagen, dass ich so etwas maximal zwei- oder dreimal im Jahr mache.




Wir versuchen, hinunter ans Wasser zu kommen, aber in dieser Ecke sind die Grundstücke in Privateigentum oder gehören irgendwelchen Wassersportclubs.

Noch ein Mural. Von Dragon76.

Zum Mittagessen kehren wir in einem kleinen koreanischen Bistro ein.
 
Auf der Fahrt nach Hause kommen wir an einem dritten Mural vorbei. "Unidad" von Adry del Rocio.

Als die Kinder von der Schule nach Hause kommen, fahre ich mit dem Jungen zu einem Sportgeschäft, weil er Fußballschuhe mit Stollen braucht.
 


Am späten Nachmittag haben beide Kinder Taekwondo-Training. Der Mann kommt früher als erwartet nach Hause. Zum Abendessen gibt es rote Linsensuppe von gestern und Salat und vielleicht ein Stück Pizza. Und wie war Euer Tag? 

Freitag, 9. September 2022

Ein bisschen Frieden

Aus 100%igem Baumwollfleece in Dunkelgrau werde ich einen Pullover für meine Tochter nähen. Das Vorderteil besticke ich mit einem Peace-Zeichen aus French Knots. Als Farben hat meine Tochter Stickgarn in Apfelgrün, Hellgrün und Hellblau ausgesucht. 7 Monate dauert der Krieg jetzt schon. Unfassbar.

Mittwoch, 7. September 2022

Ein gut gelauntes X

Dieser 54 x 54 cm große Miniquilt ist das erste neue Werk, das nach der Sommerpause entstanden ist. Das bunte X besteht aus lauter improvisiert aneinander genähten Stoffresten auf schwarzem Hintergrund. Gequiltet habe ich von Hand, lauter kleine Kreuze in einem Raster von 1 x 1 cm aus schwarzem Stickgarn und buntem. Als Zwischenlage habe ich dieses Mal schwarzes Cotton-Polyester-Batting statt des geliebten ungebleichten Baumwollbattings verwendet, das ich sonst immer nehme. Es ist mir nicht sonderlich sympathisch, hat aber den Vorteil, dass bei dieser Art des Quiltens keine feinen Fasern mit auf die Oberfläche gezogen werden.  
 
Ich mag die Farben!

Donnerstag, 1. September 2022

Ein paar Details



Den fertigen Landgut Quilt habe ich hier vorgestellt. Jemand hatte noch um Detailbilder gebeten, und deswegen zeige ich Euch heute noch ein paar Ausschnitte, willkürlich gewählt:
 

Studierzimmer und angrenzende Sonnenterrasse


Patio und außen liegender Brunnen / begehbare Skulptur / Tauchbecken


Spa-Bereich mit Massageliegen, Duschen, Sauna, Umkleide, WCs. Küche mit großem Esstisch. Billardzimmer mit Cocktailbar und Kino. Musikzimmer.


Nordpfeil und Maßstab.


Rückseite.

Montag, 29. August 2022

Unser Landgut

Unser Landgut ist fertig und heute möchte ich es Euch gerne vorstellen. Vor der Sommerpause habe ich die letzten Arbeitsschritte daran getan: gefühlt Kilometer handgequiltet, Bäume aufgenäht, den Quilt gebunden, gewaschen, gespannt. Es war viel - eigentlich zu viel. Aber ich wollte unbedingt fertig werden, um den Kopf freizubekommen. Immer noch weiß ich nicht wirklich, wie ich den Quilt eigentlich finde. Ich bin zu nah dran. Eure Räume sind alle miteinander großartig, aber habe ich alles richtig zusammengesetzt? Sind die Außenanlagen gelungen? Zweifel und Zufriedenheit, harsche Kritik und verliebte Blicke wechseln sich ab. Was aber überhaupt nicht zur Debatte steht, ist, dass ich die Zusammenarbeit mit Euch geliebt habe. Wie wunderbar alles funktioniert hat!

Ein paar Zwischenstände an der Designwand zeigen, wie der Quilt zusammenkam. Wir waren dreiundzwanzig Teilnehmerinnen aus drei Ländern, die jeweils ein oder mehrere Zimmer genäht haben. Von Anfängerinnen über geübte Näherinnen bis zu Quilt-Profis war alles dabei. Das Zusammenpuzzeln war schwierig, aber unglaublich beglückend. Die Unterschiedlichkeit der Räume ist beeindruckend. Wir haben in unserem Landgut alles, was man für ein schönes langes Wochende braucht!

Wenn Ihr mögt, nehme ich Euch mit auf eine Tour. Der Eingang über einen Patio führt direkt auf das große lichtdurchflutete Schwimmbad zu, das den Mittelpunkt unseres Landguts darstellt. Sich umziehen und duschen kann man im Spabereich rechts oben davon, wo es auch Massageliegen und eine Sauna gibt. Nach dem Schwimmen kann man sich auf der angrenzenden großen Holzterrasse im Schatten der Bäumen ausruhen, von der aus man einen schönen Blick auf die untergehende Sonne hat.
 
Links vom Schwimmbad findet man den trubeligen Kreativbereich. In den Nähzimmern rattern vermutlich den ganzen Tag lang die Maschinen. Die Flächen dazwischen kann man nutzen, wenn man mehr Platz zum Arbeiten braucht, das neue Kleidungsstück von jemand Anderem begutachten lassen oder seinen Quilt aus der Ferne betrachten will. Unsere Werke können wir im daneben liegenden Fotostudio fotografieren. Vielleicht bringen uns die zwei ausgebildeten Fotografinnen unter den Landgutlerinnen bei, wie man Filme entwickelt und Abzüge macht.

Über einen Patio erreicht man den darunter liegenden stillen Lesebereich. Hier findet man ein Studierzimmer, Bibliotheken sowie das Atelier einer jungen Zeichnerin (meiner 13-jährigen Tochter). Ich stelle mir vor, dass der Bodenbelag die Schritte dämpft und die Atmosphäre hier ganz ruhig und konzentriert ist. In dem Raum zwischen den Zimmern, mit Blick auf den außenliegenden Brunnen, können Lesungen oder ähnliches stattfinden.

Rechts vom Schwimmbad befindet sich der Gemeinschaftsbereich. Dort gibt es das Forum, eine große freie Fläche, die für Landgut-Versammlungen, rauschende Feste, Essen, Tangoabende, Ausstellungen unserer Werke oder sonstiges genutzt werden kann. Über einen Innenhof mit Baum und die lange Glaswand zum Schwimmbad fällt indirekt Licht hinein. Um das Forum herum liegen ein großer Gemeinschaftsraum mit Kamin, das Spielezimmer, das Musikzimmer, das Kino mit Billardzimmer und Cocktailbar und die gemeinschaftliche Küche. Ich kann mir gut vorstellen, wie hier zusammen vergnügt gekocht, gegessen, gespielt, geschaut, gehört und diskutiert wird!

Über einen weiteren Patio gelangt man vom Gemeinschaftsbereich zum Wohnflügel. Hier befinden sich Schlaf- und Wohnzimmer, eine Küche und ein Kinderzimmer. Die dazugehörigen Terrassen sind über kleine Wege an den um das ganze Landgut führenden Spazierweg angeschlossen. So kann man nach Herzenslust durch das Gebäude und den Garten wandern und die verschiedenen Bereiche und die anderen Landgutlerinnen besuchen. Brücken, Stege (zum Meer? Zum See? In die Heidelandschaft? In den Wald?), steinerne Terrassen, niedrige Mauern zum Sitzen - den Garten stelle ich mir genauso anregend und abwechslungsreich vor wie das Gebäude.


Der Quilt misst ca. 178 x 132 cm. Die Kanten sind mit einem Quilt Facing, also mit Belegen gearbeitet, da ich auf der Vorderseite kein sichtbares Binding haben wollte. Die Rückseite hat ihren eigenen Charme. Von dem schwarzen Baumwollstoff heben sich die maschinen- und die handgequilteten Stiche besonders gut ab. Der Anblick erinnert mich ein wenig an Computerplatinen.

Soweit zum Quilt, jetzt zu uns. Ohne Euch wäre dieses Projekt nicht zustande gekommen, und dafür möchte ich Euch noch einmal herzlich danken. Ihr habt mir Eure Ideen und Eure Zeit und Euer Material geschenkt. Das ist etwas so Positives, Starkes, Schönes in Zeiten, in denen man manchmal denkt, dass es um die Welt immer schlechter bestellt ist. Ich schätze das ungemein. Dankeschön, liebe Gabriele, Mechthild, Hermine, Linda, Eva, Ines, Christiane K., Carola, Mariola, Andrea, Patricia, Jana, Ricarda, Annett, Lena, Daniela, Christiane S., Verena, Iris, Noella, Constanze und Ute.
 
Vor der Sommerpause hatte ich gefragt, wer von der Landgutlerinnen mich an bestimmten Tagen in Ostwestfalen, im Münsterland, in Berlin oder am Niederrhein treffen wollte. Ein paar Treffen haben tatsächlich geklappt. Mechthild, Lena, Annett, Christiane K. und Ricarda haben den Quilt schon gesehen. Es war schön, Euch kennenzulernen bzw. wiederzusehen und mit Euch über das Projekt zu reden!