Dienstag, 20. Oktober 2020

Blaudruck und Bananen


Masken werden wir ja wohl noch eine ganze Weile lang tragen. Mein Mädchen hatte um neue gebeten, nicht mit Bändern aus Jerseystreifen, sondern mit Gummibändern. Hier sind sie - einmal graue Punkte, einmal Kritzeleien, einmal Zitronenkleid-Reste, einmal Blaudruck und einmal Bananen.

Samstag, 17. Oktober 2020

Mit Heißhunger


Den Stapel Stoffe konnte ich unmöglich lange unangetastet lassen - als mein Nähzimmer fertig war, wurden die Maschinen an den Transformator gehängt (120V/60H zu 230V/50H) und ich habe mich - mit Heißhunger - ans Nähen gemacht. Das erste neue Stück ist ein schlichtes Kleid nach dem Schnitt Rosy Dreams aus der Ottobre 5/2018. Das Material ist ein schwerer dunkelblauer French Terry Knit aus Baumwolle, der wunderbar wärmt. Statt der etwas seltsamen Ballonärmel habe ich normale Raglanärmel genäht, etwas verschmälert und ein paar Zentimeter verlängert, damit sie auch richtig gemütlich sind. Eigentlich verlangt der Schnitt nach Bünden aus Bündchenware am Halsausschnitt, am Saum und an den Ärmeln. Weil ich nur noch wenig davon in einer passenden Farbe hatte, habe ich nur den Halsausschnitt daraus genäht, die Ärmelbündchen aus dem Hauptstoff zugeschnitten und den Saumstreifen weggelassen. In diesem Kleid wird man mich diesen Herbst sehr häufig sehen - es trägt sich einfach schrecklich gemütlich...

Montag, 12. Oktober 2020

12 von 12 im Oktober

Es ist Montag, der 12. Oktober. Die Kinder haben Herbstferien, deshalb schlafen wir aus. Nach dem Aufstehen entdecken wir, dass wir morgendlichen Besuch bekommen haben.

Amerikanisches Frühstück: Bagels, laut Packung "with everything" (womit die paar Mohn- und Sesamkörner gemeint sind), mit Turkey und dazu Kaffee, Orangensaft und Trauben.

Letzten Dienstag sind - nach fast drei Monaten - endlich unsere Möbel angekommen. Die letzten Tage haben wir wie wild ausgepackt und eingeräumt, aber seit gestern sind wir fertig. Ein tolles Gefühl!

Mein Nähzimmer gefällt mir sehr. Es hat Platz für zwei Stoff- und Materialschränke, einen Arbeitstisch, eine Designwand, ein Bügelbrett, eine große und eine kleine Kommode und einen Sessel.

Auf der Fensterbank neben dem Sessel tummeln sich ein paar geliebte Filztiere: Schwein, Maus und Pinguin sind von Swig, der Biber stammt von Kleine Viecher. Viele liebe Grüße!

Die Kommode unter dem Piter Map Quilt dient als Ablageplatz für die Schulsachen der Kinder. Wegen Corona dürfen sie nichts in der Schule lassen, sondern müssen alles hin- und herschleppen.

Heute regnet es den ganzen Tag leise vor sich hin. Mich stört es nicht. Hier in New York hatten wir bisher einen schönen Spätsommer und Frühherbst mit vielen Sonnentagen.

Zum Mittagessen gibt es Linsen und Schwarzbrot. Der Mann hat in New York City einen Bäcker gefunden, der vernünftiges Brot verkauft. Bagels, Toast, Buns und so weiter mag ich nur ab und zu.

Zum ersten Mal seit Monaten kann ich wieder richtig arbeiten! Ich sitze im Arbeitszimmer, pause einen Schnitt ab, schneide den Stoff zu und versäubere die einzelnen Teile. Es fühlt sich großartig an.

Nachmittags bekommen wir nochmal tierischen Besuch. Ein Eichhörnchen untersucht unser Deck. Von denen gibt es hier Unmengen - neben Streifenhörnchen und ab und zu einem Murmeltier.

Später geht der Mann einkaufen. Die Kinder und ich machen das Haus sauber. Der letzte Staub und Schmutz vom Umzug soll verschwinden. Als das geschafft ist, ist auch schon Abend.

Es gibt Abendbrot, und gleich schauen wir einen James Bond Film. Das war ein unaufgeregter, aber netter Tag. Und wie war Euer? Mehr 12 von 12 gibt es wieder bei Caro.
 

Montag, 5. Oktober 2020

Noch ein Flickwerk

Wer hier schon länger liest, weiß, dass ich Visible Mending mag (Beispiele dafür findet man unter anderem hier). Dieses Mal wurde eine viele Jahre alte Jeans des Mannes geflickt - ohne Plan oder Design, schnell und wild. Fürs Zu-Hause-Tragen reicht's. Und der Anblick gefällt mir trotzdem.


Sonntag, 4. Oktober 2020

Pläne für den Herbst

Schon eine ganze Weile habe ich mir keine Kleidungsstoffe gekauft. Für die letzten Stücke, die entstanden sind, habe ich eine alte zerschnittene Hose und Stoffschnipsel aus der Restetüte (Blumentop) bzw. zwei alte zerschnittene Hosen und einen Stapel Patchwork-Precuts verwendet (Quiltjacke). Die letzten Kleidungsstücke, die ich aus neuem Material genäht habe, waren für meine Kinder bestimmt (T-Shirts für Kinder).

Nach 12 Wochen ohne Nähmaschine juckt es mir mittlerweile sehr in den Fingern, und ich kann es gar nicht erwarten, wieder loszulegen. Ich möchte mir Herbstsachen nähen, Blusen, Kleider und gemütliche Hosen. Deshalb habe ich mir gleich einen ganzen Stapel neuer Stoffe geleistet. Das sind, von oben nach unten (wie immer selbst bezahlt, Name und Material nur für mich zur Erinnerung):

Nani Iro: Jardin II Double Gauze (cotton) | Robert Kaufman: Tencel Denim Fabric (tencel) | Lady McElroy: Shantini Yoga (viscose) | Navy And White Stripe Open Weave Knit Fabric (cotton polyester spandex) | Navy French Terry Knit (cotton polyester blend) | Atelier Brunette: Granito Night (viscose) | Periwinkle Blue Knit Jersey (rayon spandex) | Black Splatter On Heather Knit Jersey Fabric (viscose spandex) | Dark Blue Heavy Weight French Terry Knit (cotton) | Black And White Tye Dye Knit Jersey Fabric (rayon spandex) | Heather Dark Grey Baby French Terry Knit (cotton polyester spandex)



Am Dienstag soll unser Umzugsgut geliefert werden. Drückt mir die Daumen, dass das wirklich passiert - und dass meine Nähmaschinen noch funktionieren...

Dienstag, 29. September 2020

Der Playlist 2020 Quilt, fertig


Hier ist er, mein fertiger Playlist 2020 Quilt. Angefangen habe ich ihn Mitte März, als wegen der Coronakrise die Schule geschlossen wurde und wir in unserer Petersburger Wohnung begannen, in Selbstisolation zu leben. Als Material habe ich einen Stapel Kona Charms in schönen Blau-, Grün-, Türkis- und Lilatönen und ein paar Stoffe aus dem Fundus verwendet. Der Quilt ist ca. 108x178 cm groß, hat ein Baumwollvlies-Batting und eine Rückseite aus dunkelgrauem Baumwollfleece.


Jeder Block stellt einen meiner Lieblingssongs dieses verrückten Jahres dar. Welche das sind, kann man zum Beispiel hier, hier, hier, hier, hier oder hier nachlesen. Die Mischung mag seltsam sein, aber jeder Song bedeutet mir etwas. Die Blöcke sind alle mehr oder weniger improvisiert entstanden. Manche wurden mit der Maschine, manche von Hand genäht. Manche enstanden als Handapplikation oder Reverse Appliqué, andere mit Hilfe von English Paper Piecing.


Die fertigen Lieder habe ich mit einem 2 cm breiten Sashing aus einem meiner absoluten Lieblingsstoffe aneinander gefügt und mit einem 9 cm breiten Rand umgeben. Gequiltet habe ich - ähnlich wie bei meinem Leaving Marks Quilt - von Hand, ein 2x2 cm Raster aus kleinen Kreuzchen aus zwei Fäden weißem Stickgarn. Das Binding aus einem weißgemusterten Baumwollstoff habe ich vorderseitig mit der Maschine und auf der Rückseite von Hand angenäht.

Dieser Quilt hat schon in unfertigem Zustand gute Dienste geleistet. Er dient je nach Bedarf als Sitzkissen für den Boden, als Quilt zum Einkuscheln und - bis unser Umzugsgut endlich ankommt - als meine Schlafdecke. Noch sind die Nächte warm genug, dass er ausreicht. Dieser Quilt ist wie ein Freund, der mich während unserer verrückten Umzugs-Odyssee begleitet hat, erst als fragiles Projekt und dann mehr und mehr als vielseitiges und ziemlich robustes Nutz-Werk. Ich finde, er hat etwas Positives, Fröhliches. Seine Farben machen mir einfach gute Laune. Die kann man gut gebrauchen in diesem seltsamen Jahr, oder...?

Sonntag, 27. September 2020

Stoffspielereien: Texturen aus der Natur

Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat werden die Links mit den neuen Werken gesammelt - auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch. Das Thema der Stoffspielereien im September lautet "Texturen aus der Natur", und Christiane vom Blog Schnitt für Schnitt sammelt alle Beiträge.

Für meinen Beitrag habe ich (umzugsbedingt) genommen, was da war - ein Stickrahmen, ein Reststück des weißgemusterten Stoffs, aus dem ich das Binding für meinen letzten Quilt gemacht habe, ein bisschen weiße Wolle, ein Rest weißes Stickgarn. Meine kleine Stickerei zeigt zwei Zweige... Holunder vielleicht?

Vom Stoff habe ich die linke Seite genommen. Die Zweige sind mit Stickgarn gestickt, die Blüten mit Wolle. Weil sie so dick war, musste ich keine French Knots machen, sondern die Vorstiche nur etwas auftuffen. Aber auch das wurde mit der Zeit anstrengend, weil der Baumwollstoff dicht gewebt war.

Soweit bin ich gekommen. Gefällt mir ganz gut, so Ton in Ton. Ob man daraus vielleicht noch etwas Praktisches machen kann? Eine Maske vielleicht? Mal sehen. Erst einmal bin ich gespannt auf die Beiträge der Anderen. Danke für das schöne Thema, Christiane!

Die nächsten Themen der Stoffspielereien lauten:

25.10.2020: "Textile Behältnisse" bei Feuerwerk by kaze
29.11.2020: "Skandinavien" bei Nähzimmerplaudereien

Montag, 21. September 2020

Langsam, langsam...

Mit jedem Tag fühlt sich mein neues Zuhause ein wenig vertrauter an. Der Container mit unseren Sachen schippert gerade über den Atlantik, weswegen an normales Arbeiten noch nicht zu denken ist. Aber quilten kann man auch von Hand, Stoff fürs Binding bestellen per Post, zuschneiden - auf dem Boden sitzend - mit Hilfe einer kleinen Reiseschere, und wenn einem eine neue Freundin dann auch noch eine Nähmaschine leiht, scheint es möglich, dass der Playlist 2020 Quilt in den nächsten Tagen fertig wird. Langsam, langsam finde ich zu einer neuen Normalität - das fühlt sich gut an.



Eine Übersicht aller genähten Songs findet Ihr hier, und alle Blogposts zu diesem Projekt unter dem Label Playlist 2020 Quilt.

Samstag, 12. September 2020

12 von 12 im September

Heute ist Samstag, der 12. September. Meine 12 Bilder des Tages kommen schon wieder von einem neuen Ort: Am 12. August wohnten wir noch in einer Übergangswohnung in Manhattan, aber vor einer Woche sind wir endlich in unserem endgültigen Zuhause angekommen. Wir leben jetzt in einem kleinen Ort in Westchester County, nördlich von New York City, eine Dreiviertelstunde Zugfahrt vom Grand Central entfernt.

Unsere Möbel werden noch ein paar Wochen unterwegs sein. Die neuen Sitzsäcke werden deshalb erstmal nicht in den Kinderzimmern, sondern im Wohnzimmer gebraucht.

Darauf kann man aber auch wunderbar rumlümmeln. Mein aktuelles Projekt, noch lange nicht fertig, dient momentan je nach Bedarf als Kuschelquilt, Sitzkissen oder Schlafdecke.


Wochenendfrühstück!

Noch fühlt sich unser leeres Zuhause wie ein Ferienhaus an. Aber mit jedem Tag wird es wohnlicher. Wir haben paar Küchensachen gekauft, um kochen und essen zu können.

Unser Vermieter kommt vorbei, um ein paar Sachen zu erledigen. Dann läuft der Mann zur Post, und die Kinder und ich gehen raus aufs Deck und essen dort Joghurt mit Cerealien zu Mittag.

Um uns herum ist es ruhig und grün. Hier gibt es viele Eichhörnchen, und auch Hirsche sieht man ab und zu. Was für ein Kontrast zu New York City und St. Petersburg...

Das Mädchen puzzelt.

Dann baut sie mit mir die drei neuen Lampen zusammen, die heute geliefert worden sind. In den Schlafzimmern gibt es keine Deckenleuchten.

Am Nachmittag fahren wir mit einem Uber in einen Nachbarort, um eine Besorgung zu machen. Es ist wunderschön, sonnig und eher kühl, anders als die letzten Tage.


Der Mann - wie so oft am 12. des Monats - kocht das Abendessen.

Und wie war Euer Tag? Mehr 12 von 12 gibt es wie immer bei Caro.

12 von 12 im September 2019
12 von 12 im September 2018
12 von 12 im September 2017
12 von 12 im September 2016
12 von 12 im September 2015
12 von 12 im September 2014
12 von 12 im September 2013
12 von 12 im September 2012

Mittwoch, 12. August 2020

12 von 12 im August

Es ist Mittwoch, der 12. August 2020, und deswegen gibt es hier wieder 12 Bilder des Tages. Dieses Mal kommen sie aus einer anderen Stadt und einem anderen Land - vor dreieinhalb Wochen sind wir von St. Petersburg nach New York gezogen!

Momentan leben wir in einer temporären Wohnung in Midtown Manhattan. Dort werden wir aber nicht auf Dauer bleiben. Wir sind auf der Suche nach einem Zuhause. Nach dem Frühstück brechen wir zu einer weiteren Besichtigungstour auf.

Zu Fuß durch die Stadt. Es ist heiß und schwül, und unter unseren Stoffmasken atmet es sich schwer. Wir tragen sie natürlich trotzdem - wie 90 oder 95 Prozent der New Yorker. Ich finde es toll, wie diszipliniert die Menschen hier sind.

Der Blick nach oben ist atemberaubend. Die ersten 14 Tage haben wir in Quarantäne verbracht und unsere Wohnung nicht verlassen. Erst danach konnten wir damit anfangen, die Stadt zu erkunden. Sie ist leer und ganz anders als früher, sagen die, die hier leben.

Wir laufen zu Fuß zum Grand Central Terminal. Das wurde laut Wikipedia im Jahr 1913 eingeweiht und ist der Bahnhof mit den meisten Gleisen weltweit. Ich mag die schöne Halle mit dem Sternenhimmel-Deckengemälde.

Wir nehmen von dort den Zug nach Norden, ins Westchester County.

Unterwegs spielen wir das Kartenspiel, das der Junge gestern gebastelt hat.

Am Bahnhof werden wir von unserer Maklerin abgeholt.

Nach der Besichtigungstour besprechen wir das weitere Vorgehen. Dann machen wir uns auf den Rückweg in die Stadt. Neben den Gleisen sieht man immer wieder umgestürzte Bäume oder abgebrochene Äste, Folgen des Tropensturms, der letzte Woche übers Land gefegt ist.

Von der Bronx geht es über den Harlem River zurück nach Manhattan.

Es regnet, als wir nach Hause laufen...


Wir kommen durchnässt nach Hause. Vorher holen wir uns aber noch ein Eis. Der Mann kocht ein leckeres Abendessen und ich bearbeite meine Fotos und klebe sie in Caros virtuelles Fotoalbum. Schön, dass Ihr vorbei gekommen seid! Wie war euer Tag?