Samstag, 28. November 2020

Stoffspielereien: Skandinavien

Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat werden die Links mit den neuen Werken gesammelt - auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch. Das Thema der Stoffspielereien im November lautet "Skandinavien", und Ines vom Blog Nähzimmerplaudereien sammelt alle Beiträge.

Beim Thema Skandinavien dachte ich als Erstes an die finnischen Prints von Marimekko oder Lotta Jansdotter. Oft schlicht und plakativ, von Motiven aus der Natur oder einfachen geometrischen Formen inspiriert, oft mit der Anmutung von etwas Handgemachtem wie einer Tuschezeichnung oder einem Stempeldruck, die Schönheit des Unregelmäßigen betonend, kontrastreich in Schwarz und Weiß oder in wenigen starken Farbtönen.

In meinem Beitrag zur November-Stoffspielerei wollte ich mich an solchen Prints versuchen. Dafür habe ich drei zugeschnitte Stücke weißen Baumwollstoffs, Freezer Papier und schwarze Stoffmalfarbe verwendet. Auf die unbeschichtete Seite des Freezer Papiers wurden drei Muster gezeichnet und mit einer Schere ausgeschnitten: schmale Schnitze, krumme Kringel (wie bei diesem Kissen schon einmal probiert) und abstrahierte Pusteblumen.

Die Schablonen wurden auf die Stoffstücke aufgebügelt. Bei den krummen Kringeln habe ich die zehn ausgeschnittenen Kreise rundum etwas beschnitten und dann mittig auf die entsprechenden Löcher gebügelt. Die Nummerierung half, sie zuzuordnen. Im nächsten Schritt wurden die ausgesparten Bereiche mit Hilfe eines Schwämmchens mit der schwarzen Stoffmalfarbe betupft. Ich mag den Moment, wenn man die Schablonen abzieht und das Ergebnis sieht...
 
Nach dem Fixieren der Stoffmalfarbe habe ich aus meinen skandinavisch inspirierten Prints drei Masken genäht - weil wir nun mal 2020 haben, wo man keinen Tag ohne Masken auskommt und wir weiter unser Bestes geben, andere und uns selbst zu schützen. Wie gut die Drucke das Waschen überstehen werden, bleibt zu sehen. Gefallen tun sie mir jedenfalls. Danke für das schöne Thema, Ines! Schaut mal auf ihrem Blog vorbei, um die Beiträge der Anderen zu sehen.

Freitag, 27. November 2020

Ein seltsamer Geburtstag

Was für ein seltsames Jahr. Schon auf dem Schulweg musst du eine Maske tragen, die du dann den ganzen Tag aufbehältst, dein Schulranzen wiegt einen Zentner, weil du keine Bücher in der Schule lassen darfst (sie könnte ja von einem Tag auf den anderen geschlossen werden), im Unterricht trägst du dicke Pullover und Westen und frierst trotzdem manchmal, weil zusätzlich zum Luftreiniger die Fenster offen sind, eure Tische stehen weit auseinander und von deinen Freundinnen musst du immer Abstand halten.
 
Was für ein seltsamer Geburtstag. Du hast frei, weil Thanksgiving ist, aber eine Geburtstagsfeier mit Freunden fällt aus, weil draußen die Pandemie wütet. Du bist so verständig, dass du das ohne Murren akzeptierst. Ich bin stolz auf dich, meine Große. Du bist wunderbar. Happy Birthday!

Kapuzenpullover nach dem Schnitt Gray Uniform aus der Ottobre 6/2018 in Größe 170 aus lilafarbenem Fleece. Der Schriftzug "Enjoy" wurde mit lila Stickgarn auf weißen Fleece gestickt und appliziert.

Montag, 23. November 2020

Skizzieren mit Stoff


Manchmal überkommt es mich, und ich muss ein bisschen improv-patchen. "Skizzieren mit Stoff" hat Maike das in einem Kommentar zu meinem letzten Post zu diesem Thema genannt. Was für ein schöner Ausdruck. Unter dem dazugehörigen Instagram-Post hatte Karin gefragt, wie ich so etwas angehe. Das zeige ich euch heute. Die Technik habe ich nicht erfunden, sondern bei einer irgendeiner Quilterkollegin entdeckt - welche war das nur? - und die Herangehensweise hat sich für mich bewährt.
 
Je zwei etwa gleich große Stoffschnipsel werden jeweils an einer Seite aneinander genäht. Das kann man sogar als Chain-Piecing machen, bei dem man die Paare hintereinander weg bearbeitet, ohne zwischendurch abzusetzen, zu vernähen und die Fäden abzuschneiden. Dafür nehme ich eine kleine Stichlänge von 1,4 oder weniger. Die Nahtzugaben werden auseinander gebügelt und die Kanten begradigt. Als nächstes suche ich zueinander passende Zweier-Paare und nähe diese aneinander.


Auf diese Art kann man immer größere Patchwork-Quadrate, Rechtecke oder andere Formen herstellen. Je nach Laune kann man gleich große Schnipsel kombinieren oder - ganz frei - mit verschieden großen und unterschiedlich geformten Stücken experimentieren. Man kann komplett nach Augenmaß und ohne Lineal arbeiten oder aber, wie bei meinem Mitten im Nirgendwo Quilt, improvisierte Blöcke zu exakten Quadraten schneiden, die dann zu einem Quilttop zusammengefügt werden...
 
Was aus dieser Spielerei wird, weiß ich noch nicht - aber Spaß gemacht hat es wieder mal.

Donnerstag, 19. November 2020

Hübsch, aber dunkel

Nach dem Übergangs-Parka für meinen Sohn kommt hier der Parka für meine Tochter. Wieder genäht nach dem Schnitt Multiplication aus der Ottobre 4/2013, aber dieses Mal fast originalgetreu (eigentlich ist er ungefüttert und hat im Brustbereich Paspeltaschen) und in Größe 170.
 
Der Außenstoff ist wieder ein winddichter, wassserabweisender Nylon, dieses Mal in dunkelgrau. Alle Schnittteile habe ich mit Baumwollstoff verstärkt, um ihn besser handhaben zu können. Das Futter besteht aus Fleece, in den Ärmeln aus mit Fleece hinterlegtem hellgrauen Futterstoff.
 

In die Kapuze, etwas unterhalb der Taille und in den Bund sind verstellbare Gummibänder eingezogen. Für eine bessere Sichtbarkeit habe ich an einer Vordertasche, an den Ärmeln und an der Kapuze kleine Stücke Reflektorband eingenäht. Dunkelgrau ist hübsch, aber eben auch dunkel...

Montag, 16. November 2020

Flatterhaft

Es gibt Stoffe, die ich gar nicht wirklich vernähen mag. Stoffe, die hauchdünn sind, Stoffe, die kaum mehr wiegen als Luft, die schon beim genauen Hingucken verrutschen, in denen die Stecknadeln nicht halten, deren Säume von Hand geheftet werden müssen und die beim geringsten Nähfehler beleidigt mit Löchern reagieren. (Bei gekaufter Kleidung sind das gerne die Stücke, bei denen die Seitennaht eines Ärmels vorne mittig auf dem Unterarm endet.)

Das Ergebnis trägt sich allerdings sehr angenehm: wie ein Hauch von Nichts. Das hier sind ein Fledermaus-Shirt nach dem Schnitt Fly Away in Größe 170 aus der Ottobre 2014 aus grau und gelb gestreiftem Jersey und ein T-Shirt nach dem Schnitt Fog in Größe 36 aus der Ottobre 2/2016 aus hellgrauem Jersey mit schwarzen Sprenkeln. Das erste ist für mein bald 12-jähriges Mädchen, das zweite für mich. Groß, wie sie ist, können wir mittlerweile aber auch tauschen...

Donnerstag, 12. November 2020

12 von 12 im November

Es ist Donnerstag, der 12. November, und deswegen gibt es hier (wie an fast jedem 12. des Monats, und das schon seit vielen Jahren) 12 Bilder des Tages. Nr. 1 zeigt ein Biologie-Experiment des Mädchens und im Hintergrund das regennasse Deck. Feinstes Novemberwetter.


In unserem Umkreis gibt es gerade leider mehrere Covid-Verdachtsfälle. Deswegen nehmen die Kinder am Online-Unterricht teil. Auch der Mann arbeitet heute von zu Hause aus. Nach dem Frühstück verzieht sich jeder in einen anderen Raum. In meinem Fall ist das das Arbeitszimmer.

Ich arbeite ein paar Stunden an einem Parka für das Mädchen nach einem neulich schon genähten Schnitt. Dann muss ich mich anderen Pflichten widmen. Wenn alle zu Hause sind, gibt es mittags warmes Essen, und bevor ich kochen kann, muss die Spülmaschine ausgeräumt werden.


Beim gestrigen virtuellen Nähkränzchen habe ich nach Vorschlägen gefragt, aber heute gibt es doch keine Gemüsepfannkuchen, sondern - ganz amerikanisch - Burger. Mit selbstgemachten Frikadellen, Tomaten, Salat, Käse, Sweet Relish, Ketchup und Senf schmecken sie der ganzen Familie.


Nach dem Essen gibt es einen Cappuccino und ein bisschen "Spelling Bee" der New York Times. Welche Wörter kann man aus den Buchstaben TWCAID+L bilden? Heute komme ich nicht sehr weit. Call, calla, clad, dial, dill, laid, lilac, tail, tall, till, wall, wild, will. Mehr fällt mir nicht ein.


Während der letzten Schulstunde der Kinder nähe ich den Parka fertig. Bei den letzten Arbeitsschritten geht alles mögliche schief. Ich schaffe es, erst durch die Gummikordel auf der Innenseite der Jacke und dann durch (!) eine metallene Öse zu nähen. Dabei bricht natürlich die Nadel ab.

Der Parka wird trotzdem fertig und gleich angezogen. Die Kinder und ich gehen draußen eine Runde drehen. Es ist kühl und grau. In den letzten Tagen haben viele Bäume ihre Blätter verloren. Viele waren leuchtend gelb, orange oder feuerrot. Ich werde sie vermissen, diese schönen Herbstfarben.


Wie anders es hier aussieht als an unserem vorherigen Wohnort. Wenn ich die Bilder von vor einem Jahr betrachte, kommt mir Sankt Petersburg immer noch viel vertrauter vor als unser jetziges Zuhause. Ankommen braucht Zeit, und in diesem verrückten Jahr ist das noch schwieriger als sonst.


Wir laufen zu einem nicht weit entfernten Park. Neulich haben wir hier ein Stinktier gesehen, das seelenruhig die Wiese überquerte und dann in einem angrenzenden Garten verschwand, während alle Leute auf seinem Weg quiekend zur Seite sprangen. Heute ist der Park menschenleer.  
 
Auf dem Rückweg beginnt es zu nieseln, und als wir zu Hause sind, wird es schon wieder dunkel. Ich mache mich daran, die ersten Bilder zu bearbeiten, und höre nebenbei Musik. Aber irgendwie kommen mir all meine Playlists gerade langweilig vor - habt Ihr einen Lieblingslied-Tipp für mich?



Der Mann und die Kinder kümmern sich gemeinsam ums Abendessen. Danach steht noch ein Zoom-Meeting mit anderen Eltern und der Schulleitung auf dem Programm. Mehr Bilder des Tages gibt es wieder bei Caro. Danke fürs Vorbeischauen! 
 
Edit: Das waren ja nur 11! Hier kommt noch ein 12. hinterher. Vom abendlichen Rotwein.

12 von 12 im November 2019
12 von 12 im November 2018
12 von 12 im November 2017
12 von 12 im November 2016
12 von 12 im November 2015
12 von 12 im November 2014
12 von 12 im November 2013
12 von 12 im November 2012

Montag, 9. November 2020

Abends vor der Tür


Mein in den letzten Tagen entstandener improvisierter Miniquilt ist fertig. Er misst 49x112 cm und hat damit genau die Abmessungen, um, wenn es dunkel ist, den Glaseinsatz in unserer Haustür zu bedecken. Den bunten Kreis habe ich, wie damals beim Super Blue Blood Moon Quilt, vorab gequiltet und dann eingesetzt. Der Hintergrund besteht aus zwei Grautönen. Eingefasst ist der Quilt mit dunkelgrauem bzw. bunt gepatchtem Baumwollschrägband.

Die verwendeten Materialien sind keine klassische Quiltmaterialien. Als Rückseite habe ich ein Stück festen Outdoorstoff genommen, und die Hintergründe bestehen aus Jersey und Hanf-Baumwoll-Chambray. Beim Quilten haben sich die beiden letzteren ziemlich verzogen, aber das stört mich nicht. Die letzten Tage waren auch nicht gradlinig - Hauptsache, das Ergebnis passt. Tagsüber hängt der Quilt jetzt neben der Tür und abends wird er davor gehängt.




Freitag, 6. November 2020

Musik an, Kopf frei

Improvisiertes Nähen ist wunderbar. Man muss nur schöne Musik an- und den Kopf freimachen und drauflos nähen und schauen, was passiert. Besonders in Zeiten wie diesen beruhigt es die Nerven und erfüllt einen mit Zuversicht. Mögt Ihr es auch?

Dienstag, 3. November 2020

Von 5 auf 18

Neben langsamem Nähen gibt es hier gerade auch zügig umgesetzte Projekte. Dies ist so eins: eine Übergangsjacke nach dem Schnitt Multiplication aus der Ottobre 4/2013 in Größe 164 für meinen 10-jährigen Sohn. Das Wetter hier in New York ist wechselhaft - ein paar Tage ist es knapp über 5 Grad, die nächsten soll es wieder bis zu 18 Grad werden. Also werden die Winterjacken wieder weggehängt.


Bei dem Schnitt handelt es sich eigentlich um einen längeren Fischschwanz-Parka. Ich habe ihn gekürzt und weniger ausgestellt und außerdem komplett gefüttert. Statt der im Schnitt vorgesehenen aufgesetzten Taschen und Paspeltaschen habe ich seitliche Nahttaschen aus einem Rest Softshell hergestellt. Nach dem Originalschnitt möchte ich demnächst einen Parka für meine Tochter nähen.

Innen besteht der Parka aus einem karierten Stoff, der als Fleece ausgeschrieben war, von der Qualität aber eher Kunstfaser-Flanell entspricht. Auf diesem Bild sieht man die praktische Reißverschluss-Schutzleiste. Ein Aufhängeband und das bimbambuki-Logo darf bei mir auch nie fehlen. Die Kapuze lässt sich mit einer eingezogenen Kordel und Kordelstoppern zusammenraffen.

Der Außenstoff ist ein winddichter, wassserabweisender hellgrauer Nylon. Weil er unheimlich leicht flutschig und dadurch schwer zu handhaben war, habe ich alle Schnittteile mit Baumwollstoff verstärkt. Ohne aufgesetzte Taschen oder andere Zierden war mir die Jacke zu langweilig. Deshalb habe ich auf dem Rückenteil, auf den Vorderteilen und den Ärmeln ein paar Ziernähte hinzugefügt.


In den Ärmeln sind unten Gummibänder eingezogen. Die Windschutzleiste wird mit drei Klettverschlüssen geschlossen. Der Metallreißverschluss ist extra stabil - mein Junge schafft es immer mal wieder, einfachere Reißverschlüsse so zu misshandeln, dass sie nicht mehr funktionieren. Das soll dieses Mal nicht passieren. 

Am heutigen Election Day wird die Jacke jetzt zum ersten Mal ausgeführt...