Donnerstag, 12. Dezember 2019

12 von 12 im Dezember

Es ist Donnerstag, der 12. Dezember, und deswegen gibt es hier wieder 12 Bilder des Tages. Als Erstes wird morgens das 12. Türchen im Adventskalender geöffnet, den der Junge mir geschenkt hat.

Mitte Dezember bedeutet: die dunkelsten Tage hier in St. Petersburg. Sonnenaufgang ist heute um 09:52, Sonnenuntergang um 15:52. Der Morgenhimmel täuscht leider, es wird ein grauer Tag.

Nach dem Frühstück nähe ich eine Weste für mich zu Ende (mehr dazu demnächst) und packe die ersten Weihnachtsgeschenke ein. Dann gehe ich nach draußen. Es ist kalt, aber es gibt keinen Schnee.


Ich mache mich auf den Weg zum Copyshop, wo ich etwas ausdrucken muss. Es ist grau, grau, grau. Der Supermarkt an der Ecke ist  - mäßig überzeugend, wie ich finde - weihnachtlich geschmückt.

Ich suche nach Motiven außer grauem Himmel, grauen Gehwegen, schmutziggrauen Autos. Stuck, Skulpturen, schmiedeeiserne Geländer, das viele Gold. Sankt Petersburg ist wirklich schön, trotz Grau.




Zum Mittagessen gibt es nicht sehr ansehnlichen, aber leckeren Eintopf aus Linsen, Kartoffeln und Möhren von gestern. Das Кельтский хлеб (keltisches Brot) schmeckt sehr lecker dazu.

Am Nachmittag arbeite ich in meiner ehrenamtlichen Funktion an einem Newsletter. Dann trudeln die Kinder ein. Das Mädchen hat Klavierunterricht - sie spielt gerade den Kleinen Mozart.

Kleiner Snack. Der Junge geht nach dem Fußballtraining in die Badewanne, ein Hörspiel hörend. Dann kommt der Mann nach Hause, und ich mache mich fertig. Heute Abend gehe ich mit Freundinnen aus. 


Der Rest: ein sehr netter Abend mit einem Dutzend Frauen aus lauter verschiedenen Ländern, Lichter am Nevski Prospekt, Essen im Restaurant Kvartira (etwas versteckt im obersten Stock eines Hinterhauses in der ulitsa Marata), Drinks in einer Bar in der ulitsa Rubinsteina, in der alle Cocktails nach den Werken von russischen Schriftstellern benannt sind und statt Plastikstrohhalmen Nudeln verwendet werden. Mein Cocktail (Чародейка, Enchantress) ist der rechte mit Sanddorn und Zuckerwatte. Und wie war Euer Tag?

Mehr 12 von 12 gibt es wieder bei Caro.

12 von 12 im Dezember 2017
12 von 12 im Dezember 2016
12 von 12 im Dezember 2015
12 von 12 im Dezember 2014

Mittwoch, 11. Dezember 2019

Von Petersburg nach Texas

Heute Morgen gab es schöne Neuigkeiten! Drei meiner Quilts, die in diesem und letzten Jahr entstanden sind und mit denen ich mich bei der QuiltCon 2020 beworben habe, wurden angenommen - Super Blue Blood Moon, Piter Map und der gerade erst gezeigte Leaving Marks Quilt.

Ich bin glücklich und aufgeregt und ganz durcheinander. QuiltCon ist die größte Modern Quilting Show ihrer Art. Dabei zu sein ist eine große Ehre. Und gleich drei meiner Quilts dürfen nach Austin, Texas, reisen. Ich freu mich riesig!


Montag, 9. Dezember 2019

Spuren hinterlassen

Mein Quilt aus den Blöcken unserer russischen Improv Bee ist fertig! Er besteht aus 13 Blöcken, die ich von meinen Kolleginnen Anjelika Bedreva, Marina Karasova, Olga Krylova, Valerija Mezhybovska, Nelli Mottschenko, Tanya Munro, Elena Ravelova, Yuliya Reshetnikova, Helena Schneider und Nadezhda Stanislavskaya bekommen habe, sowie einem Block, den ich selbst genäht habe. Das Thema hieß "Mark Making". Meine Mitstreiterinnen sollten mit genähten Spuren auf Stoff experimentieren, weiß auf schwarz, improvisiert, ohne Lineal zugeschnitten und frei genäht. Die Blöcke mussten kein bestimmtes Maß haben und sollten nicht beschnitten werden.





Während ich die Blöcke arrangierte, kam mir immer wieder in den Sinn, wie mich andere Quilterinnen beeinflussen und meine Arbeit prägen, und dass es mich glücklich machen würde zu wissen, dass auch ich gelegentlich kleine Spuren in der Arbeit anderer hinterlasse. Ich versuchte, die unterschiedlichen, für sich stehenden Blöcken nicht einfach aneinander zu nähen, sondern sie stattdessen zu einem Bild zu vereinen. Das Ergebnis erinnert mich an eine Landschaft, an Wege, an fließendes, tropfendes, aufsteigendes Wasser. Für mich symbolisiert es den nicht endenden wunderbaren Fluss der Inspiration, des Gebens und Nehmens. 

Der Quilt hat die Maße 181x119 cm. Die Rückseite besteht aus schwarzem Baumwollstoff. Als Batting habe ich ein dünnes Baumwollquiltvlies verwendet. Das Quilting - kleine Kreuzchen aus weißem Stickgarn in einem 2x2 cm Raster sowie konzentrische Kreise aus Vorstichen aus schwarzem Stickgarn - erfolgte von Hand. Eingefasst ist der Quilt mit schmalem schwarzen Baumwollband. Einen richtigen Namen hat der Quilt jetzt auch: Leaving Marks - Spuren hinterlassen.



Freitag, 6. Dezember 2019

Sieben Sachen für sieben nette Leute

Das Schuljahr 2019/2020 ist mein letztes Jahr in St. Petersburg, und ein Drittel davon ist bereits um. Auch einige Leute, die ich hier kennengelernt habe, werden im nächsten Frühjahr oder Sommer weiterziehen. Eine nette Bekannte geht nach Singapur. Eine zweite nach Wien. Eine dritte weiß - wie ich - noch nicht, wohin es sie verschlagen wird. Ein paar bleiben hier.

Ob und wenn ja wo wir uns wiedersehen, ist ungewiss. Auf jeden Fall ist dies die letzte gemeinsame Weihnachtszeit, und das war für mich der Anlass, ihnen ein kleines Andenken zu nähen. Entstanden sind sieben Mug Rugs für sieben nette Leute. Aus Stoffresten und einer Rückseite aus Filz, 100% improvisiert zusammengepatched, gequiltet und mit Schrägband eingefasst. Ich hoffe, sie gefallen.


Mittwoch, 4. Dezember 2019

Me Made Mittwoch [Graues Kleid]

Auf der Suche nach einem neuen Kleiderschnitt mit mindestens mittellangen Ärmeln bin ich auf "Sound of Nature" aus der Ottobre 2/2019 gestoßen. Der Schnitt hat eigentlich lange, weite Ärmel, die unten gerafft werden. Außerdem wird das Vorderteil oberhalb des Taillenstreifens mit vielen kleinen Knöpfen geschlossen. Diese beiden Details waren mir aber zu verspielt und romantisch.

Mein oberes Vorderteil ist deshalb im Bruch zugeschnitten. Insgesamt ist das Oberteil ein bißchen kurz geraten, obwohl ich es schon um zwei Zentimeter verlängert habe. Im Rücken hat das Kleid einen nahtverdeckten Reißverschluss. Die Ärmel sind bei mir schmal und gehen bis knapp unter die Ellenbogen. Hinzugefügt habe ich geräumige seitliche Nahttaschen - Kleidungsstücke ohne Taschen sind für mich ein Ärgernis. Das Material ist ein leicht dehnbarer grauer Mischstoff, den ich im Sommer auf einer netten Stoffkauftour mit Mechthild in Gütersloh erstanden habe. Ein Futter gibt es nicht, so dass ich ein Unterkleid drunter ziehen muss.

Mein Fazit: Ich als Grau-Fan mag so ein Graue-Maus-Kleid. Es ist dezent, unkompliziert, passt bei vielen Gelegenheiten und trägt sich ganz angenehm.

Viel schöne selbstgemachte Kleidung sieht man heute wieder auf dem Me Made Mittwoch Blog.

Montag, 2. Dezember 2019

XXL

Die Themen für die Stoffspielereien 2020 stehen fest, und ich freue mich sehr, dass ich im Februar die Gastgeberin sein darf. Mein Thema lautet "XXL". Darunter kann man alles mögliche verstehen - Stricken mit superlangen Nadeln (oder gleich mit den Armen?), raumhohe Wandbehänge, riesige gehäkelte Sitzkissen, übergroße Pullover, gigantische Taschen, Mega-Prints, Oversize-Mäntel...

Da das Ergebnis in irgendeiner Form übergroß sein soll, brauchen manche Arbeiten vielleicht ein bißchen mehr Zeit. Deshalb möchte ich Euch schon heute einladen, mitzumachen. Auf dem Pinterest-Board XXL habe ich Ideen und Inspirationen gesammelt. Hoffentlich gefällt Euch das Thema und Ihr macht mit! Ich bin gespannt, was es im Februar zu sehen geben wird...

Die Themen der Stoffspielereien 2020 lauten:

26.01.2020: “Textiler Schmuck” bei Siebensachen
23.02.2020: „XXL” bei bimbambuki
29.03.2020: “Draht und Stoff“ bei Nahtlust
26.04.2020: “Visible Mending“ bei 123-Nadelei
31.05.2020: „Blumen“ bei Petersilie & Co
28.06.2020: „Monogramme“ bei made with Blümchen 
27.09.2020: “Texturen aus der Natur“ bei Schnitt für Schnitt 
25.10.2020: „Textile Behältnisse“ bei Feuerwerk by kaze
29.11.2020:  [Thema noch offen] bei Nähzimmerplaudereien

Donnerstag, 28. November 2019

Rutscht nicht von der Schulter

Hier in St. Petersburg wird es gerade winterlich, und wenn ich meinen dicken Mantel trage, rutscht mir immer wieder der Träger meiner schwarzen Jeanstasche von der Schulter, was ich enervierend finde. Für jemanden, der gerne Taschen näht, ist das Grund genug, sich eine neue zu machen. Genäht habe ich wieder nach eigenem Schnitt, wie meistens.

Diese ist aus einem Baumwollstoff mit grafischem Print, der nicht optimal ist, weil er weich und ziemlich dünn ist. Ich habe ihn, wie bei meinen meisten Taschen, mit einem Baumwollvlies hinterlegt. Etwas Form bekommt die Tasche durch Filzstreifen, die zusätzlich die Seiten und den Boden verstärken. Sie hat eine Klappe, die mit einem Magnetverschluss geschlossen wird.

Wo ich welche Reißverschlussfächer haben möchte, wie groß sie sein und in welche Richtung sie öffnen sollen, weiß ich mittlerweile, ohne groß nachzudenken. Das Fach auf der Rückseite habe ich mit Kona Cotton in Gelbgrün mit der schönen Bezeichnung "Wasabi" gefüttert. In die Seiten sind kleine Schnipsel Reflektorband eingearbeitet. Das mache ich mittlerweile grundsätzlich.

Das Innenleben besteht aus weißem Baumwollstoff mit hellgrauem Textdruck. Die Reißverschlüsse sind recycelt, sie stammen von meiner geliebten Punktetasche, die leider etwas zerschlissen war. Der Tragegurt ist verstellbar, so dass man die Tasche quer oder einfach über der Schulter tragen kann. Er ist mittig gepolstert und mit dem Außenstoff ummantelt. Mein Label darf auch nicht fehlen...