Freitag, 18. Juni 2021

Wild zerschnitten



Vor fast zwei Jahren habe ich das letzte Mal etwas zu meinem Improvisazia Quilt, dem Projekt im Rahmen meiner russischen Improv-Bee, geschrieben. Im Sommer 2019 hatte ich die einzelnen Blöcke zu einem Top zusammengesetzt, mit eigenem Patchwork ergänzt und sogar schon angefangen zu quilten, aber dann lag das Projekt da und... sah irgendwie nicht richtig aus. Zu unterschiedlich waren die Farben der Blöcke, es fehlte etwas, was alles zusammen hielt, es war einfach nicht so geworden, wie ich mir vorgestellt hatte. Schweren Herzens ließ ich es deshalb im Schrank liegen.



Manche Projekte müssen wohl reifen, und anscheinend war die Zeit dieses Projekts jetzt gekommen. Vor ein paar Tagen habe ich das Top wieder hervorgeholt und, einem spontanen wilden Einfall folgend, in lauter Dreiecke zerschnitten. Ich muss meine lieben Bee Mitglieder um Entschuldigung bitten, dass ich ihren wunderschön gearbeiteten Blöcken das angetan habe - aber als ich die Einzelteile bunt gemischt wieder zusammen gesetzt hatte, fühlte es sich auf einmal richtig an. Noch ist das neue Top nicht fertig, aber ich glaube, es wird...

Dienstag, 15. Juni 2021

Neues Leben für alte Bettwäsche - zum Dritten

Was alte, teilweise zerschlissene Bettwäsche angeht, habe ich noch Material im Schrank! Diese hier ist mindestens 15 Jahre alt und war ursprünglich ganz hell blau mit pastelligem Lavendelprint. Vor 15 Jahren war ich offensichtlich deutlich romantischer veranlagt als jetzt. Ich hatte überlegt, noch ein Maxikleid oder ein Fast-Maxikleid daraus zu nähen, habe mich dann aber für einen Maxirock entschieden.

Der Rock ist schlicht (zwei oben geraffte Rechtecke, seitliche Nahttaschen, ein Bundstreifen mit zwei Tunneln für ein Gummiband und ein Bindeband) und sollte eigentlich schwarz gefärbt werden, wurde aber nur dunkelgrau. Die Farbe gefällt mir und vom Lavendel sieht man nichts mehr, das ist das Wichtigste. Beim Oberteil handelt es sich um das Marimekko Crop Top, das ich bereits hier gezeigt habe. Ich habe einen Riesengefallen gefunden an solcher üppiger Walle-Kleidung und trage gerade nichts lieber...

Samstag, 12. Juni 2021

12 von 12 im Juni

Es ist Samstag, der 12. Juni, und deswegen gibt es hier wieder 12 Bilder des Tages. Der Mann und ich sind als Erste wach. Wir drehen eine kleine Runde um die Häuser und unterhalten uns dabei. Als wir wieder zu Hause sind, habe ich noch ein bisschen Zeit, um an meinem Quilt weiter zu arbeiten.

Der Junge steht irgendwann von alleine auf, aber das Mädchen (mittlerweile ein Teenie) muss um zehn Uhr geweckt werden, sonst würde sie einfach weiter schlafen. Wir frühstücken und skypen dann, wie jeden Samstag, mit dem einen Großelternpaar in Deutschland.
 
Der Junge beschließt, das Kinderbücherregal aufzuräumen. Mit einem Hörspiel auf den Ohren räumt er alle Comics und Bücher auf den Boden und dann ordentlich wieder ein. Dann macht er sich an die Scrapbookseiten für die drei MitschülerInnen, die Ende des Jahres seine Klasse verlassen.

Zur Mittagszeit brechen wir nach Connecticut auf. Wir sind bei einer Familie zum Mittagessen eingeladen.

Wir werden als Erstes von ihrem Hund begrüßt, der wie wild um das Auto herum rennt und dann, als wir ausgestiegen sind, sofort mit uns spielen will. Er wartet geduldig, dass man das Stöckchen wirft, holt es dann, aber gibt es nicht wieder her.




Draußen auf der Terrasse ist der Tisch für ein wunderbares üppiges Mittagessen gedeckt. Wir werden mit gegrilltem Steak und Hühnchen und Kartoffeln und Gemüse bewirtet, alles schmeckt köstlich. Als Nachtisch gibt es, sehr lecker, Beeren mit Schlagsahne und frischer Minze.
 
Die Erwachsenen unterhalten sich, die Kinder spielen miteinander Lego und Tischtennis, der Hund wird immer wieder mit Stöckchen und Frisbee hin- und hergejagt, bis er hechelt (will aber nicht aufhören). Wir brechen erst am frühen Abend wieder auf.

Wir machen einen Zwischenstopp für eine Besorgung - da sind die Schatten schon lang.


Danach geht es die Boston Post Road entlang nach Hause. In der Abendsonne sieht alles so schön aus.

Der Mann kauft noch etwas ein, das Mädchen setzt sich ans Klavier und übt, und gleich machen wir uns einen gemütlichen Filmabend. Wir haben uns für "Matrix" entschieden, den mögen wir alle. Und wie war euer Tag? Mehr 12 von 12 gibt es wie immer bei Caro.

Mittwoch, 9. Juni 2021

Ein Quilt entsteht [Teil 3]

Zwei Monate lang lag mein Sunny Morning Quilt-Projekt auf der Kommode rum. Das Top war fertig, das Batting und die Rückseite zugeschnitten, aber ich hatte es einfach nicht geschafft, den Quilt auf meine übliche Art zu basten. Mit 2,60 x 2,60 m war er einfach zu groß, ich konnte ihn nicht handhaben. Glücklicherweise bekam ich Hilfe von einem Profi. Ines von Nähzimmerplaudereien beschrieb mir in einer E-Mail ausführlich, wie ich es mit Hilfe von Sprühkleber hinkriegen sollte. Und so haben meine Tochter und ich neulich das Wohnzimmer frei geräumt, den Rückseitenstoff leicht gespannt mit Klebeband auf dem Boden geklebt, erst das Batting und dann das Top darauf ausgebreitet, glatt gestrichen, zur Mitte gerollt und dann etappenweise aufgeklebt. Herzlichen Dank für deine Tipps, Ines!


Jetzt wird von Hand gequiltet, ich freue mich darauf. 
 
Die Zwischenstände findet Ihr hier: Ein Quilt entsteht | Ein Quilt entsteht [Teil 2]

Montag, 7. Juni 2021

Doppelter Aufwand, doppelt so viele Kleider


Mein Lieblingszitat aus dem Film "Contact" mit Jodie Foster lautet: "Why build one when you can have two at twice the price?" Von der teilweise zerschlissenen Lieblings-Bettwäsche aus dunkelblauem Baumwollstoff mit unregelmäßigen weißen Punkten, aus der ich mein Maxikleid genäht habe, war noch reichlich übrig. Warum also nicht noch ein zweites Flatterkleid nähen?
 


Ich nahm den vorhandenen Schnitt  (ursprünglich Rabbit Jump aus der Ottobre 5/2018) und änderte ihn ein weiteres Mal. Das neue Kleid hat keine Knopfleiste im Vorderteil, sondern einen V-Ausschnitt, und wird einfach über den Kopf gezogen. Die Stufen des Rockteils habe ich um jeweils 7 cm gekürzt. Die üppige Länge des Maxi-Kleids finde ich wunderbar - aber wadenlang ist etwas praktikabler. 
 

 
Habt Ihr einen weiteren Unterschied gefunden? Bei diesem Kleid liegt die linke Seite des Stoffes außen, so dass es nicht dunkelblau, sondern hellblau aussieht. Damit habe ich meine Familie verwirrt, die anfangs glaubte, ich hätte mein Maxikleid verkehrt herum angezogen oder zum Wenden genäht. Heute werden es 32 Grad. Perfektes Wetter für dieses Kleid...

Dienstag, 1. Juni 2021

Die Farbe Grau


Es fing an mit einer Bemerkung zur Augenfarbe. Auf der Instagramseite einer bekannten deutschen Bloggerin meinte eine sich Stylistin nennende Mitarbeiterin, welche Farben einem stünden, hinge in erster Linie von der Augenfarbe ab. Menschen mit braunen Augen stünden warme Farben. Ich stutzte. Nach dieser Aussage müssten die meisten Asiaten und Black and People of Color (nämlich all die mit braunen Augen) Herbst- oder Frühlingstypen sein, denen warme Farben stehen. Mein - zugegebenermaßen laienhafter - Instinkt sagt mir, dass das nicht stimmt. Nach vielen Jahren Nähen und Stoffe verarbeiten und Trial and Error meine ich von mir selbst zu wissen, dass ich - eine Halbasiatin mit dunkelbraunen Augen und Haaren und einer bräunlichen Haut, die im Sommer rasch dunkler wird - ein Wintertyp bin. Meiner Meinung nach stehen mir nicht warme, sondern ganz im Gegenteil kühle Farben, kühles Grau, Rot, Blau, Pink usw., Weiß, Schwarz und Silber statt Gold. 
 

Ich schrieb die Bloggerin an und erklärte ihr meine Zweifel und bekam darauf die Antwort, dass ich das für mich schon richtig herausgefunden habe und dass für Menschen mit braunen Augen und Haaren oft "wärmerkühle" Farben wie Lila, Pink, Rotviolett und Petrol gut seien. Wärmerkühl?! Ich war verwirrt. Wärmerkühl klingt meiner Meinung nach so logisch wie schnellerlangsam oder höhertief. Aber auch abgesehen von dem merkwürdigen Begriff hatte ich das Gefühl, dass daran etwas nicht stimme. Mit "wärmer" meinte die Bloggerin vielleicht dunkler - aber hatte auch das nicht viel mehr mit der Hautfarbe zu tun als mit der Augenfarbe? Mir persönlich steht eine Farbe wie dunkles Petrol wenn überhaupt im Winter, wenn meine Haut blasser ist. Im Sommer passen hellere Farben wie Türkis oder ein kühles Hellgrau besser zu meiner braunen Haut. Meine Augenfarbe bleibt natürlich immer die selbe. Ich zuckte mit den Schultern und ließ die Sache auf sich beruhen.



Ein paar Tage später wurde auf dem gleichen Kanal ein Video gepostet, in dem es um das Färben von Haaren ging und in dem die oben genannte Stylistin erklärte "... dass die kühleren Farbtypen sehr gut aussehen, wenn sie ergrauen (...) also Typen mit blauen, blaugrauen Augen, aschigeren Haaren. Da sieht das Ergrauen richtig toll aus." Dann folgte diese Aussage: "Bei eher wärmeren oder warmen Farbtypen, also Typen mit braunen Augen, braunen ggf. leicht rötlichen Haaren, ist es hingegen so, dass die Farbe hier" (gestikulierte zum Oberkörper) "nicht so gut aussieht und somit auch nicht so gut auf dem Kopf aussieht. Deshalb ist es hier schon so, dass ich dort gern die Empfehlung ausspreche: vielleicht doch besser färben, es sieht einfach frischer aus, es sieht einfach stimmiger und harmonischer aus." 
 

Diese Aussage machte mich, je länger ich darüber nachdachte, immer ärgerlicher. Dass Menschen mit braunen Augen und Haaren die Farbe Grau am Oberkörper nicht stehe, ist das Eine. Das ist eine persönliche Meinung, zu der diese zwei Frauen berechtigt sind, mit der sie allerdings ziemlich alleine dastehen - man muss nur Wintertyp+Farben googlen, um auf lauter Paletten zu stoßen, die kühle Grautöne enthalten. Das Andere ist, dass hier pauschal alle Menschen mit braunen Augen und Haaren angehalten werden, sich die ergrauenden Haare zu färben, da sie ansonsten unstimmig und unharmonisch und weniger frisch aussähen. Dies betrifft zwischen 70% und 90% der Menschen weltweit. Ist es nicht absolut arrogant zu behaupten, die von der Natur gegebene Haarfarbe im Alter sei bei dunkleren Typen weniger attraktiv als bei Blauäugigen? Es verwundert sicher nicht, dass sowohl die Bloggerin als auch die Stylistin blaue Augen haben und damit in ihre selbstgeschaffene Kategorie "Ergrauen toll" fallen.


Es sollte doch wohl die Entscheidung jedes Einzelnen sein, ob man sich die Haare färben möchte oder zu seinen grauen Haaren steht. Das sollte einem weder von der Gesellschaft noch von irgendwelchen StilberaterInnen verordnet werden. Und dabei sollte völlig egal sein, welche Augenfarbe man hat. Denn selbstverständlich können graue Haare in jedem Fall, in jeder Länge und Form, in jedem Alter und bei jeder Haar-, Augen- und Hautfarbe wunderbar aussehen! Ich reagiere allergisch auf solch starre, unzeitgemäße, verkrustete, ungesunde Vorstellungen von Schönheit und Natürlichkeit und ich denke, die meisten anderen Menschen tun das auch. Lassen wir uns nicht solch krude Theorien aufschwatzen. Seien wir tolerant und offen. Es gibt die unterschiedlichsten Menschen und Farbtypen und Körperformen und Stile, und keiner ist in irgendeiner Form besser als ein anderer.

Heute breche ich eine Lanze für die Farbe Grau. Als Farbe für Kleidung und als Haarfarbe. Und insbesondere die Farbe Grau bei Menschen mit dunklen Augen. Ich erinnere an George Clooney mit seinen silbernen Haaren, an Morgan Freeman in der Rolle von Gott in "Bruce Almighty", an den unvergessenen Sean Connery, der so elegant und würdevoll gealtert ist. An die wachsende Gruppe von Menschen, die sich trauen, zu ergrauen. An die teilweise noch sehr jungen Frauen, die sich gegen das Färben entscheiden und zu Recht stolz zu ihren grauen oder weißen Haaren stehen. Mein Mann hat braune Augen und graue Haare, und es steht ihm wunderbar. Ich selbst helfe meiner dunklen Naturhaarfarbe nach, aber vielleicht höre ich irgendwann damit auf. Und habe dann - wie von der Natur gewollt - graue Haare.
 
P.S.: Ich nenne keine Namen. Es geht mir nicht darum, jemanden herauszufordern oder öffentlich anzugreifen. Ich möchte nur Stellung beziehen zu den oben genannten Aussagen.

Montag, 31. Mai 2021

Me Made May, vorbei


Der Me Made May ist vorbei. Zum 5. Mal war ich bei Zoes (So Zo... What Do You Know?) Aktion dabei und habe einen Monat lang täglich etwas Selbstgemachtes getragen und auf Instagram gezeigt. Das wird im Laufe der Wochen etwas anstrengend, aber ich finde es immer sehr lehrreich. Ein Foto ist anders als ein Blick in den Spiegel. Mir fällt es viel leichter, auf einem Bild zu beurteilen, ob Schnitte, Stoffe, Farben zu mir passen. Nachdem der Monat vorbei ist, kann ich gut Bilanz ziehen und weiß, welche Kleidungsstücke ich mag, welche geändert werden müssen oder welche ich aussortieren sollte. 
 
Das Tolle am Me Made May ist, dass man jedes Mal neue Näherinnen entdeckt und viel Anregung bekommt. Guckt euch die schönen Kleidungsstücke von productbyprocess an oder seamripstress oder sewmuchaerial oder pistolwhip oder ana.racoon oder babygrnyc oder carolerankin oder - ganz viel Marimekko - von entropy always wins, um nur ein paar zu nennen. Überall auf der Welt machen Frauen mit, und es ist absolut faszinierend zu sehen, wie bunt und vielfältig diese Gemeinschaft ist. Nett ist auch euer Feedback. Herzlichen Dank für eure Herzen und Kommentare! Damit habt ihr mir viel Freude gemacht.

Am meisten Herzen gab es von euch für diese Outfits: 

- Maxikleid aus ehemaliger Bettwäsche (Ottobre Rabbit Jump 5/2018, geändert)
- Patchworkjacke (Ottobre Scarab 5/2018, geändert), gekaufte schwarze Hose, schwarze Denim-Tasche (eigener Schnitt)
- Marimekko-Jacke (Ottobre Ruth 5/2020), dunkelgraues Jerseyhemd (Ottobre), gekaufte schwarze Hose
 
Meine persönlichen Favoriten waren diese Outfits:

- Weißes Crop Top (Ottobre Japanese Flowers 2/2014, geändert), weiße Baumwollhose (Ottobre Billie /2020)
- Viskosetop (Ottobre All My Loving 2/2021), graue Hose aus Two-Tone-Baumwollstoff (Ottobre Loose Fit 2/2015), schwarze Denim-Tasche (eigener Schnitt)
- Hellgraues Jerseykleid (Jona von Schnittchen), Umhängetasche mit Hündchen (eigener Schnitt)


Diese Kleidungsstücke möchte ich ändern:

- Graues Kleid aus Baumwollbatist (Ottobre Rabbit Jump 5/2018): Die Schultern sind einen halben Zentimeter zu lang, die Armausschnitte zu steif, die seitlichen Eingrifftaschen sitzen ca. 10 cm zu hoch. Ich werde die Schultern kürzen, die Armausschnitte mit Jerseystreifen statt Schrägband versäubern und die Taschen heraustrennen und tiefer einsetzen.
- Streifenkleid aus Baumwoll-Polyester-Spandex (Ottobre Rosy Dreams 5/2018): Der Saum wellt sich. Ich werde unten wie an den Ärmeln ein weißes Bündchen ansetzen. Eventuell werde ich aus dem Kleid einen Pullover machen.
- Blusenshirt aus geblümtem Jersey (Tamanegi-kobo Balloon, geändert): Der Saum steht ab. Ich werde in den Saumumschlag ein Gummiband einziehen, damit er anliegt.

Zufällig habe ich entdeckt, dass es den Hashtag memademonday gibt - vielleicht wäre das ja auch eine Idee, ein ganzes Jahr lang jeden Montag etwas Selbstgemachtes zu zeigen...