Donnerstag, 12. März 2020

12 von 12 im März

Es ist Donnerstag, der 12. März, und das bedeutet, dass es hier auf dem Blog wieder 12 Bilder des Tages gibt. Als der Mann und die Kinder aus dem Haus sind, gibt es für mich Kaffee und Müsli mit Birne zum Frühstück, und nebenbei lese ich, wie immer in letzter Zeit, die Nachrichten.

Dann gehe ich ins Arbeitszimmer und beginne ein neues Projekt: einen Quilt für den Jungen, den er auch als Tagesdecke für sein Bett nutzen können soll. Dafür zerschneide ich einen Satz in die Jahre gekommene braungestreifte Bettwäsche, die schon etwas zerschlissen ist.


Um zehn Uhr treffe ich zwei andere deutsche Frauen zum Laufen im Park. Es ist das erste Mal seit langem, dass ich wieder Sport mache. Die letzte Woche habe ich angeschlagen mit einem krankem Kind zu Hause verbracht. Obwohl es nieselt und ein kalter Wind weht, fühlt es sich gut an.


Wir haben den Park fast für uns allein. Beim Laufen unterhalten wir uns - wie vermutlich sehr viele Menschen überall auf der Welt gerade auch - über das Coronavirus und seine Folgen. In Russland gibt es momentan 28 dokumentierte Fälle, davon zwei hier in der Stadt.


Die Landesgrenze zu China ist geschlossen worden. Wer aus einem Risikoland wie Deutschland nach Moskau fliegt, muss sich in 14-tägige Selbstquarantäne begeben. In Moskau sind Veranstaltungen mit mehr als 5000 Teilnehmern verboten worden. Das Internationale Wirtschaftsforum in St. Petersburg wurde abgesagt. Bestimmte Flüge wurden ausgesetzt. Aber sonst scheint das Virus hier in St. Petersburg noch nicht so richtig angekommen zu sein. Dabei wird hier genausoviel international gereist wie in anderen Großstädten. Können die Zahlen stimmen? Wie wird es weitergehen?


Nach dem Laufen gehe ich nach Hause, dusche und treffe mich dann mit meinem Mann beim Belgier um die Ecke zum Mittagessen. Wir waren eine Weile nicht mehr zu zweit aus. Das Laufen im Nieselregen hat mir Appetit gemacht. Ich bestelle Pfeffersteak und Pommes frites, es schmeckt köstlich.


Unser Gespräch kommt immer wieder auf das Coronavirus zurück. Die Vorstellung, ernster krank zu werden, ist noch beklemmender, wenn man im Ausland lebt. Das Gesundheitssystem hier ist nicht berühmt, und ich gehöre zur Gruppe der Personen mit erhöhtem Risiko.

Aber zu viel darüber nachzudenken bringt nichts. Der Mann geht wieder zur Arbeit, ich gehe nach Hause. Draußen wird der Himmel immer trüber. Es nieselt wieder. Ich schneide die restlichen Streifen für den Quilt zu. Mit den Händen zu arbeiten beruhigt mich. Ich mag das.

Als die Kinder zu Hause sind, liest das Mädchen auf ihrem Bett in alten Girlie-Zeitschriften. Der Junge schnappt sich ein Smoothie-Eis und einen Asterix-Comic und macht es sich an seinem Lieblingsort, auf dem Teppich neben dem Wohnzimmertisch, gemütlich.



Mein Mann hat heute bei einem Arbeitstreffen einen Strauß Cake-Pop-Tulpen geschenkt bekommen. Jetzt werden die ersten davon verspeist. Danach geht erst das eine Kind und dann das andere in die Badewanne. Ganz allmählich wird es dunkel. Jetzt fehlt nur noch der Mann, der noch einkaufen gefahren ist.



Zum Abendessen gibt es Knäckebrot, Tomaten mit Mozzarella und Sellerie mit Frischkäse. So dargeboten verschwinden die Selleriesticks schneller, als man "Esst noch Gemüse, Kinder" sagen kann. Nach dem Essen gucken wir die zweite Hälfte des Films, den wir gestern angefangen haben: "Big" aus dem Jahr 1988.

So verläuft unser Abend, ganz gemütlich. Und bei euch? Herzliche Grüße aus St. Petersburg, bleibt gesund! 

Mehr 12 von 12 gibt es wieder bei Caro.

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Kommentare:

  1. Stimmt, im Ausland krank zu werden, ist kein Spaß. Aber auch hier in Deutschland wird die Stimmung drückender. Wie schön, dass der Tag auch noch helle Seiten bescherte. Bleibt gesund!
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Dankeschön, Andrea, das wünsche ich dir und deiner Familie auch.

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  2. Gruß zurück. Wie Andrea schreibt, hier ist die Stimmung drückend. Die Einschränkungen und Selbstbeschränkungen sind merkwürdig und unlogisch.
    Mema

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    1. Was meinst du mit unlogisch? Das würde mich interessieren...
      Liebe Grüße nach Bielefeld!

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  3. Wunderschön, dein letztes Foto! Das Richtige, um jetzt auch hier die Augen zuzumachen...
    Dir alles, alles Gute und eine gute Nacht!
    Astrid

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  4. Wie es weiter geht? Es ist eine Frage der Exponentialität, vorallem wenn sie die Menschen lustig machen über Massnahmen, die man ergreifen sollte, um den Peak zu minimieren. Persönlich habe ich keine Angst, krank zu werden, aber ich denke an meine Eltern, Nachbarn, Freunde und Bekannten, die zur Risikogruppe gehören.

    Ein bisschen denke ich auch an unseren Flug nach St.Petersburg im Mai ... Ich wünsche dir alles Gute. LG von Regula

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    1. Genau, den Peak minimieren. Wenn man sich an vernünftige Regeln hält, wird das von Manchen (Wenigen zum Glück) als Panikmache bezeichnet. Panik macht hier keiner, aber die Vernunft guckt besorgt in die Zukunft...

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    2. Falls es klappt mit dem Flug nach St. Petersburg im Mai - hättest du dann Lust, dass wir uns auf einen Kaffee treffen?
      Liebe Grüße!

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  5. Bleib auch du gesund!
    Mit dieser gesunden Ernährung und etwas Sport hast du aber alles dafür getan, das sind wie immer tolle Bilder aus deinem russischen Alltag.

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    1. Dankeschön, Martina, das wünsche ich dir auch. Gesund ernähren und Sport und Hände waschen und Abstand halten - vielleicht kommen wir ja damit durch diese Zeit...

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  6. Wie immer ein sehr schön bebilderter Tag. Ich drücke die Daumen, dass Du und Deine Familie gesund bleiben. Es ist wirklich eine besondere Zeit aktuell, man möchte näher zusammenrücken und genau soll vermieden werden... ich werde am WE mit meiner Schwester per video telefonieren, viel lieber wäre ich bei ihr zum Kaffeeklatsch.... Kopf hoch! LG Kuestensocke

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    1. Danke für die lieben Worte! Zumindest im kleinen Kreis rücken wir näher zusammen. Dir wünsche ich auch alles Gute!

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  7. Mal wieder Internet, mußte ich gleich deine 12 suchen, die ich immer sehr mag.Ich pflege gerade die Eltern und da ist das alles sehr heikel.
    Achtsam ist schon so gut und ich bin gespannt was du für eine Idee für deinen Jungen ausgeknobelt hast.
    ich schicke optimistische Grüße,Karen

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    1. Liebe Karen, das ist dann sicher eine besonders schwierige Zeit für dich. Ich wünsche dir alles Gute für dich und deine Familie, bleibt gesund!

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  8. auch hier wird vielen von corona bestimmt. aber ich las gerade bei melanie: bleibt tapfer!
    ihr bitte auch, passt auf euch auf und bleibt gesund!!
    ganz liebe grüße und danke für deine interessanten einblicke in deinen alltag.
    mano

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    1. Danke, liebe Mano, die guten Wünsche schicke ich dir auch zurück...

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