Guten Morgen! Es ist Dienstag, der 12. Dezember und ein weiterer dieser grauen, vollkommen sonnenlosen Tage, die wir hier in St. Petersburg schon seit Wochen nahezu ununterbrochen haben. Das Bild trügt. In Wirklichkeit ist es dunkler.
Der Vormittag ist nett. Nach einem schnellen Frühstück zu Hause treffe ich zehn weitere Expat-Frauen in einem Café am Nevsky Prospekt. Es ist ein Abschiedstreffen - Eine von ihnen zieht demnächst nach Moskau, eine Andere nach Argentinien.
Eine der Bekannten übergibt mir zwei Tutus, die ich für meine Tochter bestellt hatte. Diesen Samstag findet eine kleine Ballettaufführung statt. Nach dem Treffen laufe ich zu Fuß zur Gorokhovaya Ulitsa. Die Tochter braucht auch noch ein weißes Trikot mit schmalen Trägern.
Nach dem Überqueren des Gribojedowkanals und der Moika komme ich zum Универмаг брендовой одежды, обуви и аксессуаров "Au Pont Rouge". Ein Wahrzeichen des Stil Modern und eines der schönsten Häuser der Stadt, wie ich finde.
Viele Gebäude der Stadt sind weihnachtlich geschmückt. An künstlichem Licht mangelt es hier nicht. Das Wetter mag schrecklich grau sein, aber die Stadt an sich ist zauberhaft um diese Zeit. Wer plant, hierher zu kommen, sollte es zu den weißen Nächten tun - oder jetzt.
Mittlerweile ist es Mittag geworden. Bevor ich die Kinder von der Schule abhole, gönne ich mir ein Mittagessen im "King Pong", einem südostasiatischen Restaurant. Das Mittagslunch kostet hier 410 Rubel, das sind zur Zeit ca. 5,90 Euro. Für Petersburger Verhältnisse ist das nicht wenig.
Dafür bekommt man aber auch drei Gänge und ein Getränk. Ich nehme einen Salat mit Spinat, Papaya, Mango, Lychee, eine Kürbiscremesuppe mit Kokosmilch, Lapscha-Bandnudeln mit Hühnchen und Gemüse und einen grünen Tee. Es schmeckt wunderbar.
Danach mache ich mich auf den Weg zur Schule. Mittlerweile habe ich sie ja schon wirklich oft benutzt, aber die ellenlangen Rolltreppen in der Metro faszinieren mich nach wie vor. Vor allem, wenn man mal so einen freien Blick hat wie heute.
Draußen wird es nicht nur noch dunkler, es zieht mittlerweile auch ein scharfer Wind. Ich hole die Kinder ab. Zu dritt machen wir uns auf den Rückweg. Fiese kleine Hagelstückchen pieksen uns im Gesicht. Wir schlagen die Kapuzen hoch und beeilen uns, nach Hause zu kommen.
Dort wird als Erstes das neue Balletttrikot probiert, natürlich zusammen mit einem der beiden Tutus. Dann werden Hausaufgaben gemacht. Der Junge lernt Adjektive für den Russischunterricht: быстрый / медленный, скучный / интересный, холодный / горячий. Das letzte Wort will einfach nicht in den Kopf.
Eigentlich sollte ich um fünf Uhr Besuch von einer Bekannten zum Nähen bekommen, aber sie sagt ab. Deshalb machen wir etwas Besonderes: Wir gucken einen Film, einfach so, und das auch noch an einem Schulnachmittag. Muss auch mal sein. Und zwar "Manche mögen's heiß".
Ich hatte meine Zweifel, ob die Kinder schon alt genug für den Film sind. Die Neunjährige findet ihn gut (bis auf die Kuss-Szenen natürlich), aber der Siebenjährige legt sich irgendwann auf den Teppich und klebt lieber Aufkleber in sein Fußballstickerbuch. Nur als die Mafia und die Polizei wieder auftauchten, guckt er wieder mit. Der Mann ist heute bei einer Weihnachtsfeier, deshalb essen wir zu dritt zu Abend. Die Kinder machen sich fürs Bett fertig, gucken das Sandmännchen und werden dann ins Bett gebracht. Und ich höre ruhige Musik und trinke ein Bier, während ich Bilder aussuche und diesen Post schreibe. Und wie war Euer Tag?
Mehr 12 von 12 gibt es wieder bei Caro.
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