Donnerstag, 14. Februar 2019

Von der Freude am Ändern

Vor 9 Jahren habe ich ernsthaft mit dem Nähen angefangen. Mittlerweile nähe ich viel weniger für mich als zu Beginn, dafür aber viel überlegter und bewusster. Ich suche Stoffe aus, die mir langfristig gefallen und deren Farben mir (soweit ich das beurteilen kann) stehen. Sie müssen von vernünftiger Qualität sein und möglichst lange halten und gut aussehen.

Neue Schnitte brauche ich zur Zeit nicht, ich komme gut mit meinem Fundus an Schnittmusterzeitschriften aus. Wenn ich etwas Bestimmtes nähen will, suche ich darin nach einem Schnitt und ändere ihn ggf. etwas ab. Mit der Zeit habe ich herausgefunden, dass ich nur Kleidungsstücke nähen möchte, die zu mir und meinem Körper passen. Moden und Trends sind mir nicht so wichtig.

Mittlerweile ist der Inhalt meines Kleidungsschranks zum größten Teil selbstgemacht. Eigentlich mag ich alles darin. Aber oft (kennt Ihr das?) stehe ich suchend vor dem Schrank und entscheide mich schließlich doch für die immer selben Stücke. Warum? Bei einem Stück ist der Halsausschnitt zu weit, so dass mir darin kühl wird. Bei einem anderen ist er einen Zentimeter zu hoch, so dass ich ihn ständig herunter zupfen muss. Ein Kleid würde mir eigentlich mit kurzen Ärmeln besser gefallen. Ein anderes ist zu lang. Bei einer Bluse steht der Halsausschnitt hinten komisch ab. Ein Stück zwickt unter den Achseln. Bei einem anderen sind die Ärmelbündchen etwas zu eng.

Dabei ist das Schöne am Nähen doch die Möglichkeit, einen ganzen Kleiderschrank voll wirklicher Lieblingsstücke herzustellen. Dafür braucht es etwas, was ich lange Zeit ätzend, langweilig, lästig fand: ein fertiges Kleidungsstück nochmal anzufassen und zu ändern. Was bringt es, ständig neu zu nähen, wenn man die meisten Stücke doch nicht trägt oder sich darin nicht komplett und hundertprozentig wohl fühlt?

10 der auf dem obersten Bild gezeigten Kleidungsstücke habe ich im Nachhinein noch einmal geändert. Ich habe aufgetrennt, Abnäher oder Falten hinzugefügt, Ärmel abgeschnitten, Bündchen angenäht, gekürzt, neu gesäumt. Mir macht es Freude, wenn ein Stück danach auf einmal gut sitzt und man sich darin hundertprozentig wohl fühlt. Wie ist es bei Euch? Mögt Ihr es, Sachen zu ändern?

Kommentare:

  1. Das ist eine Aussage, die aufhorchen lässt. Ich denke, die meisten Hobbynäherinnen sagen, dass sie nur ungern ändern und reparieren. Mir geht es, ehrlich gesagt, auch so. Aber deine Argumente überzeugen natürlich.
    Und deine Aussagen zu bewußtem Auswählen und Nähen, zu Qualität und bewährten Schnitten, teile ich 100%ig. Deinen Blogpost nehme ich mal als Aufforderung, demnächst ein paar Änderungen anzupacken.
    LG
    Siebensachen

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    1. Manche Hobbynäherinnen nähen, scheint mir, wie am Fließband. Da werden wöchentlich, täglich neue Stücke produziert. Natürlich ist es herrlich, neues zu schaffen, aber ich frage mich da manchmal schon... Zum einen: ist es möglich, dass das alles Lieblingsstücke sind, die perfekt passen und die mit Freude getragen werden? Und zum zweiten: passen sie überhaupt noch in den Kleiderschrank?

      Jeder soll das natürlich so handhaben, wie er/sie das möchte! Mein Kleiderschrank ist nicht so groß, und ich mag ihn auch so. Deswegen kommt bei mir nur ab und zu Neues dazu.

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  2. Ich komme ja eher seltener dazu, etwas für mich selber zu nähen. Aber wenn, dann auch am liebsten vertraute Schnitte, von denen ich weiß, dass sie gut sitzen. Ändern ist nicht so meines, aber auch das muss mal sein. So habe ich auch mal die empfohlene Kragenlösung nach ein paar Wochen, in denen ich merkte, dass ich das Teil in der Art einfach nicht tragen wollte, wieder abgenommen und geändert. Jetzt wird es gerne aus dem Schrank geholt.
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Genau das ist es doch! Näht man ums Nähen willen oder möchte man die Sachen auch tatsächlich oft und gerne tragen? Wenn der Kragen nicht passt - weg damit. Finde ich gut!

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  3. Ändern, reparieren oder wiederverwenden mache ich sehr gerne. Die Hosen meines Jüngsten sind alle aus alten Hosen genäht, mein Patchwork-Jeanskleid liebe ich und ich habe auch schon alte Pullis, die durchs Waschen zu kurz oder eng wurden aufgeribbelt und etwas neues daraus gestrickt. Anscheinend ist es auch nicht mehr üblich zu stopfen, denn ich konnte in meinem Stoffladen Stopfgarn für 10 ct kaufen und habe um Weihnachten sicher 10 Strumpfhosen geflickt.
    Neuen Schnittmusterzeitschriften kann ich aber nur schwer widerstehen. Und einen Schnitt mehrfach nähen funktioniert für mich auch nicht immer. Ich habe einige Hosen nach einem ottobre-Schnitt - von denen ist die erste die mit der besten Passform. Es kommt sogar vor dass ich Schnitte abpause und die dann garnicht nähe, weil ich durch das abpausen und ausschneiden den Schnitt geistig ja schon genäht habe.
    Liebe Grüsse,
    Martina

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    1. Einerseits recycelst du vieles, andererseits nähst du gern neue Schnitte. Das ist doch eine wunderbare Mischung, und du kannst deine Nähleidenschaft richtig ausleben. Ich muss gestehen, dass ich keine Socken stopfe. Aber Jeans flicken muss sein, sonst würde mein Sohn ständig neue Hosen brauchen.

      Ich persönlich probiere gern mal einen neuen Schnitt aus meinem Fundus aus, aber das Abpausen gehört nicht unbedingt zu meinen Lieblingsaufgaben. Das was du beschreibst - abpausen und dann nicht nähen - das könnte ich nicht! ;-)
      Liebe Grüße!

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  4. Ich ändere recht ungern fertig genähte Kleidungsstücke (etwas anderes ist es, wenn ich Kaufkleidung gezielt als Änderungs-Teil kaufe, da mach ich es gern!). Aber ich bin immer froh, wenn ich es dann doch mal getan habe und zufrieden mein altes neues Kleidungsstück genieße!

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    1. Manchmal knurre ich beim Ändern ganz böse vor mich hin... aber es lohnt sich, nicht wahr?
      Du kaufst manchmal gezielt zum Ändern? Das ist ja interessant! Was denn?

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  5. Offenbar bin ich noch in der Phase, in der es "ätzend, langweilig, lästig" ist, ein fertiges Kleidungsstück zu ändern, obwohl Du natürlich absolut recht hast! Vielleicht ändert sich dies und wird dann reizvoller, aus etwas Vorhandenem etwas Neues zu machen, anstatt immer wieder zu neuen Ufern aufzubrechen. LG Manuela

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    1. Die Phase, in der man näht und näht und näht und sich der Inhalt des Kleiderschrankes allmählich von gekauft zu selbstgemacht wandelt, ist wunderbar und macht ja auch viel Spaß!
      Liebe Grüße!

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  6. Vielen Dank für Deinen interessanten Post! Gerade im letzten Jahr habe bei einigen Kleidern den Saum oder die Länge nochmals angepasst, weil es mir beim Tragen nicht gefiel. Auch die eine oder ander Teilungsnaht wurde nochmal geändert, bei einem anderen Kleid habe ich einen Teil des Futters ausgetauscht, weil es an der Strumpfhose hängen blieb. Jedes Mal habe ich mich gefreut, als es vollbracht war und die Stücke seit dem wieder mehr getragen. Schließlich stecken in jedem Kleid schon 15 Stunden Arbeit, da ist eine zusätzliche Stunde gut investiert, wenn dann das Stück wieder gern getragen wird. Bei einem Shirt oder schnellen Pulli würde ich wohl lieber neu nähen, hängt ganz stark davon ab, wieviel Mühe es ist und wie gern ich den SToff mag. LG Kuestensocke

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    1. "Schließlich stecken in jedem Kleid schon 15 Stunden Arbeit, da ist eine zusätzliche Stunde gut investiert, wenn dann das Stück wieder gern getragen wird" - das ist ein sehr gutes Argument fürs Ändern! Und genau wie du überlege ich, ob sich das Ändern lohnt. Wenn mir ein Teil eigentlich gar nicht richtig gefällt, wird es mir auch nach der Änderung nicht gefallen, dann kommt es auf den Recyclingstapel.

      Ich persönlich bin durchs Nähen auch viel anspruchsvoller geworden. Früher habe ich nicht gut sitzende Kleidungsstücke einfach getragen, weil es keine Alternative gab. Wahrscheinlich habe ich es auch nicht bemerkt, wenn es irgendwo eine komische Falte gab...

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  7. Bei mir ist es auch so...selten ist ein Teil so das ich nichts mehr dran ändere. Gerade habe ich ein Kleid soviel geändert das nur noch ein Loop übrig blieb...aber den trage ich jetzt gern ;-)
    LG
    Christine

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    1. Aber den trägst du jetzt, eben, und damit macht es Sinn! Ich habe mal ein Kleid zu einer Shorts verarbeitet...

      Liebe Grüße!

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  8. Ich halte es, wie du; meine Garderobe ist auch eher übersichtlich und ich ändere zwar ungern fertige Stücke, aber bevor ich sie nicht trage, lege ich sie dann doch heraus und ändere.
    Wenn ich für mich nähe, ist es mittlerweile oft so, dass ich abgenutzte Stücke ersetze; neue, trendige Stücke nähe ich dann für die Tochter; so wird es nicht langweilig.
    LG von Susanne

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    1. Das ist ja eine super Mischung aus bewährtem und neuen, gefällt mir!
      Liebe Grüße!

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  9. Ich ändere gerne, und freue mich anschliessend über die bessere Passform.
    Wenn mir etwas grundlegendes nicht gefällt, bei meinem letzten Kleid z.B.passten die Stoffwahl und der Schnitt letztendlich doch nicht zueinander, dann wird aussortiert. Du nähst wirklich wunerschöne Sachen, LG Annett

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  10. Ich nähe tatsächlich so lange an einem teil bis ich total zufrieden bin, dann wird es sofort „ausgeführt“ und ev. auffallende mängel, wie zb saum zu lang oder abstehendes hals bündchen, werden danach auch gleich „richtiggestellt“ - es steckt viel arbeit hinter jedem stück und da fände ich es sehr schade wenn ich es nicht tragen könnte/wollte ...glg, bernadette

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    1. Das sehe ich absolut genauso... bei mir dauert es aber manchmal ein bißchen, bis ich Fehler bemerke, es braucht immer den Praxistest...

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  11. Dieser Post spricht mir aus dem Herzen! Ich hatte mir im letzten Jahr ein Kleid genäht und es gefiel mir überhaupt nicht an mir. Die Nählehrerin aus unserem Nähkurs meinte, es sieht gut aus. Aber es gefiel mir trotzdem nicht, so dass ich es kaum getragen haben. Für diesen Winter habe ich mir Gedanken gemacht: es war ganz einfach, den Saum gekürzt und jetzt ist es mein Lieblings-Winterkleid!
    Aber im Allgemeinen ist das Ändern nicht so prickelnd, danach freue ich mich jedoch nichts für die Tonne produziert zu haben.
    Im Moment habe ich noch eine „Sommerkleid-Leiche“ im Schrank ...
    Danke für den interessanten Blog,

    Barb

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    1. Liebe Barb,
      danke für die lieben Worte! Manchmal gehen Selbst- und Fremdwahrnehmung einfach auseinander, stimmt's? Aber letztlich muss sich die Trägerin darin wohlfühlen, das ist das Wesentliche. Ist doch toll, wenn ein etwas kürzerer Saum reicht, um aus einem Stück ein Lieblingsstück zu machen!

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  12. Ich muss auch sagen, dass ändern nicht so meines ist, aber ich gestehe, dass ich in der letzten Zeit, Dinge so lange änder und anpasse, bis sie für mich perfekt sind - ähnlich wie Bernadette. Ich habe aus meinen Anfangsnähzeiten Kleidung, die ich nimmer mag und da muss ich mir was überlegen... Aber ich habe auch bereits kräftig "ausgemistet" und ja ich bin anspruchsvoller, was Kleidung betrifft. Ärgere mich gerade über ein Kaufshirt, welches ich trage, dass einfach ausgeleiert oder ich weiß auch nicht, auf jeden Fall nicht sitzt. Das kommt nach der Wäsche weg. Ich bringe es zum Sozialkaufhaus, vielleicht findet es dort einen Liebhaber.

    Lieben Gruß

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    1. Das Ausmisten gehört auf jeden Fall dazu, das tue ich auch von Zeit zu Zeit. Gerade zu Anfang weiß man ja noch nicht so viel über Stoffe und Farben und Schnitte... zumindest ging es mir so...
      Liebe Grüße!

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  13. Ich lese bei dir zwar schon länger, habe aber noch nie kommentiert. Danke für diesen wertvollen Post. Hier hängt noch ein Kleid, dass noch gesäumt werden will und einen Gürtel muss ich noch kaufen. Ansonsten habe ich wirklich viel Zeit in ein Webwarekleid investiert. Danke für den Anschubser, es endlich fertig zu stellen. Und auch sonst werde ich wohl künftig mehr auf bewährte Schnitte setzen. Wie gesagt, Danke für Deinen Post und den sehr schönen Blog.
    LG Petra

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    1. Liebe Petra, ich freue mich immer sehr, von stillen Leserinnen zu hören, Danke für deine Worte! Manchmal wird man durch irgendetwas angeschubst, etwas das man sieht oder liest, das geht mir genauso. Schön, dass ich dich in diesem Fall anschubsen konnte!
      Liebe Grüße...

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  14. Seit rund zwei Jahren nähe ich meine Kleidung selbst und genieße wie Du, dass ich mit Stoff und Schnitt Stücke herstellen kann, die 100% zu mir passen. Auf radikales Ausmisten folgte eine erste Phase der Suche nach Schnitten, die mir gefallen und zu mir passen. Inzwischen hängen auch bei mir fast nur mehr selbst gemachte Stücke im Schrank, und es sind nicht viele, eher besteht noch Bedarf an dem einen oder anderen. Aber es gibt ein paar Stücke, aus der Anfangszeit, die in einer Kiste auf ihre Änderung warten. Bei einigen weiß ich genau, was zu ändern oder auszubessern ist, bei anderen weiß ich nicht genau wie. Aber das macht nichts. Ich komme immer mehr und mehr dazu, auch ausgemusterte Kleidungsstücke als Rohstoff für Neues/Anderes zu sehen, und es macht mir großen Spaß, wenn das geänderte oder ganz neue Teil, das daraus entsteht, dann wieder gern getragen wird! Bin ganz bei Dir. Liebe Grüße, Gabi

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  15. Bei der Veröffentlichung dieses Beitrags habe ich versäumt zu kommentieren. Aber ich kann dir sagen, er hatte einen enormen Nachhall bei mir, und ich habe inzwischen häufig darüber nachgedacht und mir vorgenommen, einige Sachen, die in meinem Schrank hängen, die aber aus den verschiedensten Gründen nicht getragen werden, zu ändern. Danke für diesen Denkanstoß! LG Christiane

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